(Kommentar zum Köln-Blog)

Am Blog zu Köln „Die sind so“ ist mir Folgendes aufgefallen:

In der Mitte des Blogs führst Du Beispiele auf, wie „Millionen in Deutschland lebende Moslems“ ganz normal im deutschen Arbeitsalltag stecken und sich sogar – wie marokkanische Anwohner in Düsseldorf – für die Durchsetzung von Recht und Ordnung gegen ihre kleinkriminellen ‚Landsleute‘ aussprechen.

Die erwähnten Beispiele lassen allerdings die Lesart zu, dass Ausländerhass & Fremdenfeindlichkeit simple Vorurteile wären, die durch gedankliche Faulheit zustande gekommen wären. Bei genaue(re)m Hingucken könnte man doch sehen, dass die meisten hier lebenden Moslems sich ordentlich aufführen, dass auf dem Oktoberfest auch Einheimische grapschen und dass die meisten hier lebenden Ausländer auf Recht & Ordnung stehen. Und deshalb gäbe es doch – wenn man eben nur genauer hinguckte – keinen wirklichen Grund für die Feindschaft…

Wenn’s doch nur so einfach wäre… Nein, da hat der Blog insgesamt schon recht: Der Ausländerfeind „weiß“, dass „die hier nicht hingehören“, weil „die nicht zu uns passen“, und es stimmt, dass dieser Standpunkt schon vor Köln „fix und fertig“ ist. Und das bringt mich zu einer weiteren Anmerkung. Ich finde, der Blog hört genau da auf, wo er weitermachen müsste: Wie geht denn eigentlich dieser „Standpunkt“, den der Blog mit „Flüchtlinge aus islamischen Staaten ‚passen nicht zu Deutschland’“ zusammenfasst, worin besteht er denn eigentlich? Mal ein Versuch:

Der Einheimische ist von Kindesbeinen an daran gewöhnt worden, sich in seinem Leben mit allen Anforderungen zu arrangieren; und was es heißt, sich in ständiger Konkurrenz um Arbeit, Wohnung, Einkommen… durchzuschlagen, weiß er aus seinem täglichen Leben nur zu gut. Ob er was davon hat oder nicht, ob er ein gutes Leben führt oder sich ständig herumplagt – , diese Lebensumstände betrachtet er als an manchen oder auch vielen Stellen zwar ungemütliche, aber hierzulande eben übliche und deshalb auch selbstverständliche Art des Zusammenlebens. Und alle, die hierzulande durchaus im Gegensatz zueinander stehen (Hauseigentümer/Mieter, Unternehmer/Lohnabhängige, Hersteller/Verbraucher etc.) und an der Konkurrenz ums Geldvermehren und Geldverdienen teilnehmen, sind für ihn ein „Wir“, eine Gemeinschaft, zu der jeder an seinem Platz seinen Beitrag leistet und zu leisten hat. Wenn sich alle an das halten, was, und sich so verhalten, wie es „hier so üblich ist“, dann ist das die Art und Weise, wie man hier zurechtkommt und geht in Ordnung.

Das Sammelsurium von Anforderungen, Sitten, Gewohnheiten usw. redet er sich als „Lebensart“ schön, die er und seine Zeitgenossen gemeinsam zustande kriegen und die er zusammenfassend „Heimat“ nennt. Angereichert um schöne Bilder von Landschaften, Festen, kulinarischen und sonstigen Spezialitäten (nicht zufällig alles Dinge, die nichts mit Arbeit, Konkurrenz etc. zu tun haben!) wird daraus dann ein komplettes Sittengemälde. Und das bringen „wir“ zustande, eben alle, die hier leben. Das macht die „nationale Identität“ aus, die uns auszeichnet. Und das ist nicht beschreibend gemeint, sondern verpflichtend: So hat man sich hierzulande dann auch aufzuführen bzw. zu sein!

„Wir“, so die Fortsetzung, gehören dazu – im Unterschied zu jedem, der schon äußerlich erkennbar anders ist. „Heimat“ – das ist ihr harter Inhalt! – steht nur denen zu, die hierher gehören, schließt also grundsätzlich alle aus, die „nicht (so wie) wir sind“. Und das ‚weiß‘ der einheimische Heimatfreund, auch wenn er noch nie in seinem Leben mit einem Dunkelhäutigen zu tun hatte. Denn: Der kommt von woanders her, kommt aus einer anderen Gemeinschaft und ist deren Regeln und Gewohnheiten verpflichtet, er will also was anderes – weshalb das Verdikt über alle Fremden lautet: Die sind anders, gehören nicht hierher und schon gar nicht zu uns. Und von „fremd“ zu „gefährlich“ ist’s dann wirklich nicht mehr weit; und dieser Standpunkt sucht und findet in „Köln!“ und anderswo sein Anschauungsmaterial für das, was er vorher schon wusste.


2 Comments on “(Kommentar zum Köln-Blog)”

  1. jana sagt:

    gegen „herbeterei“ *roll* :

    lovely german people of all races, culture, ähhhm, color,…ähhm … religion, ähhm…

    http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/VW-3950-Euro-Praemie-fuer-Tarifmitarbeiter,vw2996.html

    Aquarius schrieb am 14.05.2016 08:21 Uhr:
    Das „Neid-Argument“ wird auch durch Wiedetholung nicht stichhaltiger – die Gier der VW-Vorstände hat ganz offensichtlich die Arbeitet erreicht ! Es ist zu wünschen, dass die noch anstehenden Strafzahlungen und Kundenentscheidungen „weg von VW“ am Ende zu einer neuen Bescheidenheit führen?
    Vielleicht erinnert sich der eine oder andere VW-Arbeitet ja mit der Wartenummer in der Hand auf dem Flur des Arbeitsamtes demnächst an seinen Beitrag hier ?

    BWLer schrieb am 14.05.2016 10:10 Uhr:

    *Jeder ist sein Schicksals selber Schmied*

    Zu den neidvollen Kommentaren kann ich nur belächelnd schreiben, „Augen auf bei der Berufswahl.“

    Jeder hat seine Berufswahl selber getroffen und wurde nicht dazu gezwungen, oder? Und man wird auch nicht dazu gezwungen, seinen gewählten Beruf auszuüben, oder? Und wenn neidvoll auf die Entgeltpolitik von VW geguckt wird, dann empfehle ich den Job und/oder Firmenwechsel.

    Und wer jetzt meint, der Zug ist bei ihm abgefahren, muss sich leider selbst eingestehen, dass er dennoch in der Verangeneit die Chance gehabt hätte und wenn auch das nicht, dann muss man sich damit abfinden und Dinge einfach akzeptieren wie sie sind… und vorallem dazu stehen.

    Rational ausgedrückt: Eine Bonuszahlung ist im Rahmen der Entgeltpolitik, gerade in der Akkord und Fließbandarbeit, ein normaler und gängiger Bestandteil.

    Meine Empfehlung an die kritischen Vorredner ist es, sich Wissen der BWL über die Gehaltspolitik und derem Gestaltung anzueignen, dann wird es auch mit dem Fachverständnis im Bezug auf Wirtschaftsunternehmen.

    Elfriede schrieb am 14.05.2016 10:16 Uhr:
    Männer,
    was schreibt ihr da teilweise für einen
    Unsinn. Das Problem ist das männlich
    dominierte Managment bei VW und
    den anderen Unternehmen.Das weiblichen Wesen ist nun mal
    das sozialisierte Wesen ! Warum sitzen
    denn in den Gefängnissen mehr als
    90 Prozent Männer ? Denkt mal nach !!Daher auch bei VW die Quote !!!

    Frauen,
    steht auf und sagt den Männern Eure
    Meinung.

  2. jana sagt:

    ergänzung, weil dein „richtig“ sah beim „gesichterbuch“

    obiges bezieht sich auf den „versuch“, der halt schlicht herbeterei is…
    hauptärger war (!!) allerdings (!!) :
    „Die erwähnten Beispiele lassen allerdings die Lesart zu, -…- dass die meisten hier lebenden Ausländer auf Recht & Ordnung stehen. “

    oh mein gott, wie kann man diese lesart nur „in kauf nehmen“ *roll*

    andersrum gesagt: „die meisten“ wollen sich ne putzkraft leisten (können) und tun sie dieses, verbleibt der einen putzkraft, die zur andren sagte „wir kommen leichter an ne putzkraft“ nur die jaulerei, niemanden zu finden und der andren nur das ablehnen von zusätzlichen „direkt auf die hand“-stunden und „das geht jetzt n paar tage, dann ziehn sie weiter, die brechen nicht ein, keine angst“ den „einbruchsgeschädigten alarmanlagengeschützen“ „meisten“ gegenüber bei deren „oh gott, die zigeuner kommen!“ mit der beschwerde, daß die dann immer so rumheulen, vorm wegschicken, während und danach auch noch…lästige bettler halt…

    wieder weg…


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