#4 Siedlungen zu Kommunen

Fertigbauweise meint die simple Tatsache, dass die ultraorthodoxen Juden ihre Siedlungen praktisch über Nacht entstehen lassen können. Sobald Leitungen gelegt sind, wird per Hubschrauber oder LKW einfach das ganze Haus herbeigeschafft. Nicht wenige Siedlungen bedienen sich dieser Art der Besiedlung. Die Häuser sind geräumig und für den Israelischen Winter gut genug isoliert. Die weiten Glasfenster sind einladend, die Klimaanlage ist vorinstalliert.

Ich befinde mich zwischen den Häusern und bin begeistert. Nicht weil ich die Siedlungen im Gazastreifen für eine gute Sache halte. Ich sitze im Innenhof zwischen vier der Fertighäuser und höre der Geschichte zu, wie es zu dieser Situation kommen konnte:

Hashomer Hatzaire hat eine eigene Einheit in der israelischen Armee. Als sozialistische Zionisten stellen sie sich gegen die Siedlungen und so wird ihre Einheit oft eingesetzt, wenn es darum geht eine eben dieser zu räumen. Die Erzählerin war selbst als Soldatin bei einer dieser Räumungen im Gazastreifen beteiligt. Die orthodoxen Juden hatten sich bei ihrem Abtransport selbstgemachte Judensterne angeheftet und haben so eindrücklich bewiesen, dass es für geschmacklose Nazivergleiche überhaupt keine Deutschen braucht.

Zumeist werden die Häuser abgerissen nach den Räumung – in dieser Siedlung allerdings konnten sie „ausgeflogen“ werden. Sie gingen über in staatlichen Besitz und wurden dort billig versteigert an: Eine neue Kommune von Hashomer Hatzaire. So wurde aus einer Siedlung im Gazastreifen einige Kilometer weiter eine sozialistische Kommune mit Seminarräumen.



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