#1 „The Backyard of Israel“

Ramallah – Eine Stadt hinter der Mauer. Es ist eben doch keine Frage der Perspektive, wo vor und hinter der Mauer ist. Die postmoderne Beliebigkeit wird Lügen gestraft, mit dem ersten Blick hinter die kilometerlange Betonschlange die sich hier durch das Land zieht. Hier ist klar, wenn auch sonst sich alles dem Alltagsverstand entzieht, auf welcher Seite der Mauer hinter der Mauer ist. Von Jerusalem nach Ramallah eine Stunde, auch nur wegen Stau. Von Ramallah nach Jerusalm drei Stunden – Willkommen an den Jackpoints.

Ramallah – Eine Stadt mit knapp 28.000 Einwohnern. Nach Amtssprech in Israel ist es nicht in Palästina. Es ist in den „Terrretories“. Ramallah ist Zone A – Israelische Bürger dürfen diese Zonen nicht betreten, die israelische Regierung verbietet ist. An dem Checkpoint warnt ein Schild: „Danger to death for Israelis“. Darunter: „To go to the Zone A is against the Law“. Wir dürfen passieren, nach Ramallah zu kommen ist einfach, es gibt keine Kontrollen.

„The Terretories“ sind unterteilt in drei Zonen. A ist unter palästinensischer Verwaltung, Israelische Polizisten und Soldaten haben keinen Zutritt – was bei der Verfolgung aber nicht immer beachtet wird. 2008 verirrten sich ein Soldat und ein Polizist Israels in Ramallah und wurden gelyncht. Diese Geschichte ist noch heute präsent bei den Israelis, die doch einmal in die Zone gehen. In den Medien waren die Bilder einer der Mörder, der seine Blutigen Hände in die Kamera hält. Die B Zonen stehen unter palästinensischer Verwaltung im zivilen Bereich, das Militär und die Polizei ist Israelisch. C Zone ist komplett unter Israelischer Verwaltung.

„The Terretories“. C & B: Hier sind Israelische Bürger jene, die unter das Zivilrecht fallen, Palästinenser fallen unter das Militärrecht. A: Hier darf sich kein Jude aufhalten. Unsere Genossin fühlt sich hier wohl, sagt sie als sie uns durch die Straßen führt. Außer es brüllt jemand: „Yehude“. Jude. Ein Stigma das hier gefährlich werden kann. Als Deutsche werden wir hier schnell erkannt. Es ist angenehm hier als Deutscher, man wird gegrüßt und allerlei feilgeboten.

„The Backyard of Israel“ nennen es unsere Gastgeber von HasHomer Hasaire. Irgendwo jenseits der eigenen Vorstellung von dem, was Zion sein sollte. Es ist Ramadan. Es wird auf den Straßen nicht getrunken, nicht gegessen, nicht geraucht. Wir verlassen Ramallah als es hell ist – eigentlich wollen wir es nur verlassen, die Kontrollen dauern. Der Checkpoint kostet uns zwei Stunden. Studieren Palästinenser ins Israel oder arbeiten dort, müssen sie diesen Checkpoint jeden Tag überqueren. Nur an wenigen Checkpoints dürfen Palästinenser überhaupt hindurch.

Als wir den Käfig der Kontrolle verlassen, geht gerade die Sonne unter. Wir sind noch in Ostjerusalem, dem muslimischen Teil. Plötzlich sitzen überall Familien und Essen. Es wird geraucht und Tee getrunken. Feuerwerk knallt über der Stadt, arabischer Gesang ist in den Straßen.

Für den ersten Tag schon viele Eindrücke. An was wir denken wenn wir an Israel denken wurden wir heute morgen gefragt: „Problems“ sagte ein Genosse lapidar. Problems, ja. Gerade auch, wo Israel nicht gedacht wird: In den „Terretories“. Die Genossinnen in Ramallah erzählen noch eine Geschichte: „When Children from here and children of israel draw there Land, both draw the same lines“. Ich verstehe die Geschichte nicht. Ist es eine Beschreibung des Problems oder der Lösung“?



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.