#47 Des wär ammal a Witz

Schland-watch, schon länger als Kritiker aufgefallen, welche den eigentlich Witz des Nationalismus nicht begriffen haben (1), sind völlig zum Witz als Agitationsmittel übergegangen:

„Ein Bankier, ein Asylsuchender und einer, der sich für „das Volk“ hält, sitzen an einem Tisch. Auf dem Tisch liegen 3 Kekse. Der Bankier und der Asylsuchende nehmen sich je einen Keks. Der Dritte ruft: „Die schmarotzenden Asylanten und die gierigen Bankster nehmen dem Volk alle Kekse weg!“ (2)

So stellen sich also Deutschlandkritiker 2014 die BRD vor: Drei Kekse auf einem Tisch, die netterweiße gleich verteilt werden an Bänker, Lohnabhängige und Asylanten.

Ein wirklicher Witz wäre es, sich einmal zu erklären, warum Banken mit rießigen Kapitalmengen hantieren und spekulieren. Erklärungswürdig wäre es, warum kein kapitalistischer Betrieb ab einer gewissen Größe ohne Kredit profitabel wirtschaften kann und Banken deswegen zum Kapitalismus notwendig dazugehören. Dafür aber interessieren sich Schland-Watch nicht. Auf den Hinweis, das Bänker eine etwas andere Keks-Auslastung als Asylanten haben, kommt die Antwort: „Der Hass auf „die Banker“ […] ist verkürzte Kapitalismuskritik und strukturell antisemitisch.“ (3).

Weil man Banken falsch kritisieren k a n n, gehen diese auf Nummer sicher und stellen sie wider besseren Wissens als arme Schlucker dar, die gleich ärmlich abgespeißt werden wie die Asylsuchenden. Wer darauf besteht, dass Bänker doch in einer etwas anderen Liga spielen und eine andere gesellschaftliche Rolle einnehmen, ist dann irgendwie schon „strukturell antisemitisch“ oder zumindest ziemlich verkürzt.
Den Lohnabhängigen wird mit dem Witz deshalb auch nicht der Fehler gezeigt, der im nationalen Kollektiv angelegt ist. „Das Volk“ ist doch gerade kritikabel, weil es keinen Unterschied macht zwischen Lohnabhängigen und Kapitalisten, zwischen Mietern und Vermietern. Genau wegen dieser Sicht als „Volk“ kommen Pegidas & Co auch auf die Idee, dass es wohl kaum an ihrer Klassenlage liegen kann, wenn sie hier schlecht wegkommen: Schuld sein müssen Leute, die nicht zum „Volk“ gehören: Asylanten oder eben „gierige“ Bänker, also Pflichtvergessene Renegaten und Schädlinge.

Diese Verhältnisse zu erklären, ‚des wär ammal a Witz‘ (4). Statt dessen pflegt Schland-Watch das Bild einer Gesellschaft, in der alle das gleiche bekommen und nur die ewig-gestrigen und notorischen Antisemiten sich noch beschweren. Was für ein Witz!

(1) http://keinort.de/?p=491
(2) https://www.facebook.com/schlandwatch.original?fref=ts
(3) In der FB-Debatte zum „Witz“ von Schland-Watch geschrieben
(4) https://www.youtube.com/watch?v=NwItwS2bG2s


3 Comments on “#47 Des wär ammal a Witz”

  1. dazu sagt:

    Ein „Renegat“ (4.letzte Zeile) ist eigentlich das hier:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Renegat

    Hmmm. (Falsches Wort gewählt?)

    • Peter sagt:

      Hier verwendet im Sinne eines Abtrünniger, jemand der eben seiner eigentlich guten Aufgabe nicht mehr gerecht wird und somit zum Renegaten wird. Passt an dieser Stelle tatsächlich aber nicht so gut.

  2. dazu sagt:

    Bei „Walgesang“ habe ich es (hoffentlich) stillschweigend verbessert in „Laumänner“ – und hoffe, dass das in deinem Sinne war!


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.