#3 Die GDL stört! Wobei? – Über die negative Kommentare zum GDL-Streik

Die GLD stört! Wobei? – Über die negative Kommentare zum GDL-Streik

Es ist interessant, dass die meisten negativen Kommentare zum Streik der GDL damit argumentieren, dass das ihr höchst bescheidenes Leben, mit dem sie zurechtkommen wollen, durcheinander bringt:

– man erreicht nicht rechtzeitig seinen schlechtbezahlten Schichtbetrieb, von dem man existenziell so absolut abhängig ist, weshalb man jedes Opfer an Zeit und Lohn in Kauf nimmt, um überhaupt etwas zu bekommen und der GDL vorwirft es in einer der reichsten Gesellschaften nicht dabei belassen will, überhaupt etwas zu bekommen: eine Drohung!

– von der Arbeit kaputt erreicht man verspätet sein Zuhause und sein Schatz, welchen man in Anspruch nimmt, sich um einen sorgen zu müssen, um sich zumindest das als weiß-warum einleuchten zu lassen, warum man seine Lebenszeit opfert, um eine Familie unterhalten zu können und diese einen befähigt, wohl reproduziert, sich am nächsten Tag bei der Arbeit wieder verschleißen zu lassen.

– das wenige Stück Freizeit, das die Arbeit übrig lässt, will gut genutzt sein, schnelle Verkehrsanbindungen ermöglichen das. Die Erholung von der Arbeit ist scheinbar am Arsch, wenn die Züge nicht fahren und man nicht schnell genug weg von seinem tristen Leben kommt – mehr Zeit im Leben hat man ja nicht. Zudem kostet Freizeit Geld, eine Monatskarte für die Bahn – keine Entschädigung, wenn Züge nicht fahren – für Leute, die kaum was verdienen ein echtes Problem.

Der Gegensatz den die GDL austrägt wird allerdings überhaupt erst durch die Rechnungsweise der Bahn in die Welt gesetzt. Die Kunden der Bahn haben nun fälscherlicherweise die Vorstellung, die Bahn hätte den Zweck, sie von A nach B zu bringen – der jetzt von der GDL sabotiert würde. Dabei nutzt die Bahn das Bedürfnis der Leute von A nach B zu kommen nur, um mit diesen ein für sie profitables Geschäft zu machen – bei welchem die Kunden genauso Mittel sind wie die Bahnmitarbeiter, mit den bekannten Konsequenzen.

Das nehmen Lokführer zum Anlass gegen Arbeitsbedingungen mit solchen Konsequenzen zu streiken. Der Rest merkt nur, dass das eigene Leben beschissen genug ist, man daran aber nichts ändern, sondern damit zurechtkommen will – und da stört die GDL!


3 Comments on “#3 Die GDL stört! Wobei? – Über die negative Kommentare zum GDL-Streik”

  1. Klaus Leitner sagt:

    Hallo Peter,
    das mit den LokführerInnen bzw. der GDL ist so ’ne Sache.
    Schließlich möchten diese weniger die Marktwirtschaft bzw. den Kapitalismus abschaffen, sondern schlichtweg etwas mehr Geld.
    Und warum sollen sich andere Menschen dafür erwärmen, ob nun z.B. ein(e) Lokführer(in) weiterhin ihr Reihenhäuschen abbezahlen kann oder nicht?
    (Ansonsten kümmert es die GDL auch kaum, wie es anderen Menschen ergeht.)

    Mit freundlichen Grüßen
    Klaus Leitner

  2. Klaus Leitner sagt:

    PS: Sowas wie eine „Klassensolidarität“ gibt es vor allem heutzutage tatsächlich nur noch in der Phantasie einiger wenigen „Linken“.
    Ich jedenfalls habe bislang kaum etwas davon bemerkt.

    Mit freundlichen Grüßen
    Klaus Leitner

  3. Klaus Leitner sagt:

    Noch eine kleine Korrektur:
    Wenn es noch sowas wie ein „Klassenbewußtsein“ gibt, dann in der Form, daß es häufiger das (besser gestellte) Kleinbürgertum bzw. die sog. Mittelschicht und die von Staat und Kapital weitgehend beherrschten Medien sind, die sich über solche Streiks aufregen.
    Während die „unteren Lohngruppen“ meist etwas mehr Verständnis haben.

    Mit freundlichen Grüßen
    Klaus Leitner


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