#8 Krieg gegen die Bösen

Antiimperialismus als Ettiket ist nicht zu verwechseln mit einer Analyse desselben und einem daraus folgendem Standpunkt gegen die großen und kleinen Staaten. Längst – vielleicht auch schon von Anfang an – meinte diese Selbstbezeichnung, dass man sich gegen die Großen und für die Unterdrückten ausspricht. Auf der Seite der Guten wollte man sein und will es bis heute.

Die Debatte um die Befürwortung oder Verurteilung einer Kriegspartei spaltet die stets moralisch starke und analyseschwache Linke seit Jahr und Tag an der Frage ob man sich nun ideel für Israel oder „die Palästinenser“ auszusprechen habe. Der IS macht es denjenigen einfach, die sich zu einem Konflikt gar kein Urteil bilden können, sondern die Verurteilung einer Seite und die Parteilichkeit für deren Feinde gleich auch für die Erklärung eines Konfliktes halten.

Ob es richtig sei den Kurden Waffen zu liefern setzt diese Parteilichkeit bereits voraus und ist deswegen auch gar nicht zu beantworten ohne dabei Position zu beziehen für Interessen der USA und der EU oder eben des IS. Da die islamischen Fundamentalisten auch dem härtesten Antiimperialisten kaum Möglichkeit für die Projektion weltrevolutionärer Wünsche auf deren Programm übriglassen, steht selbst für die Feinde der meisten Kriegseinsätze – so zum Beispiel Gysi – fest: Hier müssen Waffen her:

„Da aber Deutschland ein wichtiges Waffenexportland ist, könnte in diesem Ausnahmefall ein Waffenexport dorthin dann statthaft sein, wenn andere Länder dazu nicht unverzüglich in der Lage sind. Mit Protestbriefen wird man IS nicht stoppen.“ (1) – ganz so als wäre die „Deutsche Verantwortung“ nicht schon immer ein Berufungstitel für den deutschen Imperialismus, lassen sich gerade die davon packen, die das angeblich schon immer durchschaut haben.

Wer nun ganz empört schreit, dass „man“ doch etwas gegen den IS tun müsste, macht schon den entscheidenden Fehler: Waffenlieferungen, Luftangriffe und die Durchsetzung der westlichen Interessen gegen den Islamismus (IS) und manchmal auch mit ihm (Saudi-Arabien) findet ganz ohne moralisch geladenes „Wir müssen doch etwas tun!“ aus der Linken statt.

Da vom Urteil der Linken ohnehin nichts abhängt sei geraten, statt sich zu positionieren, sich einmal Rechenschaft abzulegen über die Gründe der amerikanischen Intervention im Irak um am Ende nicht – wie zuletzt Gremlitza in der Konkret (2) – wieder schreien zu müssen: Dafür waren wir nun wirklich nie…

Die eigene Ohnmächtigkeit durch den Schrei nach Praxis noch einmal zu verdoppeln, in dem man das Gewaltmonopol dem man unterworfen ist auch noch zu beglückwünschen für die Bombadierung der dieses mal wirklich „Bösen“ hat mit Praxis nichts zu tun. Einzig das Gefühl der Ohnmacht schwindet wenn man sich einmal auf der Seite der Herrschenden weiß – ein armes Würstchen von dem nichts abhängt bleibt man indes.

Ob es einem gefällt oder nicht: Gegen Krieg sind wir wenigen Kritiker Ohnmächtig. Sich von dieser Ohnmacht nicht dumm machen zu lassen und ständig zu ver- statt zu urteilen über die Interessen und Zwecke der Imperialisten und ihrer Feinde wäre ein erster Anfang, diese Ohnmacht zu verlassen.

(1) http://www.taz.de/Gregor-Gysi-fuer-deutsche-Waffenexporte/!143996/
(2) „Terror of War – Hermann L. Gremliza zum elften Jahrestag der Befreiung des Irak“ aus der Konkret 07/2014.


2 Comments on “#8 Krieg gegen die Bösen”

  1. moeetz sagt:

    „Sich von dieser Ohnmacht nicht dumm machen zu lassen und ständig zu ver- statt zu urteilen über die Interessen und Zwecke der Imperialisten und ihrer Feinde wäre ein erster Anfang, diese Ohnmacht zu verlassen.“

    ein urteil ist doch kein anfang, ne ohnmacht zu verlassen. da müssen dann immer noch taten her.

    • Peter sagt:

      Doch, weil mit nem richtigen Urteil über eine Sache ja auch steht w a s zu tun ist. Das es nur ein „erster Anfang“ ist, steht außer Frage. Aber einer, ohne den nichts zu denken ist.


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