#1 Tugend statt Inhalt

Der Mangel in der Erziehung wird bei Löwenstein empirisch festgestellt: Weil die Menschen immer noch morden, kann die bisherige Erziehung mit ihrem Aufruf „Du sollst nicht morden“ nicht richtig funktionieren:

„Moralpredigten und Lehren sind meistens gut gemeint, aber selten von nachhaltiger Wirksamkeit. Mehr als zwei Jahrtausende hat man die kultivierte Menschheit „Du sollst nicht töten“ gelehrt, die Katastrophe des Weltkriegs kann uns wirklich nicht zu dem optimistischen Glauben verleiten, daß diese Lehre wirksam gewesen ist. Was nicht erlebt ist, nicht im praktischen täglichen Leben geübt, das ist meist in der Erziehung nur schmückendes Beiwerk geblieben“ (SuE, 225)

Dabei fällt auf, dass Löwenstein hier mit den bürgerlichen Erziehern das Ideal teilt, es wäre eine Aufgabe der Erziehung, dass der Mensch sich nicht mehr gegenseitig tot schlägt. Dem ist zu widersprechen. Gerade im Weltkrieg (wird reden hier vom ersten) wurde der Prolet doch gar nicht vor die Wahl gestellt ob er morden will oder nicht – per staatlichem Akt wurde er dazu gezwungen. Den hohen Herren indes mangelte es sicher nicht an richtiger Erziehung. Sie hatten für das nationale Wohl zu sorgen, das eben so manches mal über Proletenleichen gehen muss, wenn der Erbfeind oder der „russische Barbar“ dem deutschen Wohle entgegensteht.

Es gab nun aber nicht nur den Zwang von oben, sondern auch die Kriegsbegeisterung von unten in den Augusttagen 1914. Wie aber hätte eine sozialistische Erziehung davor schützen sollen? Löwenstein äußerst sich sehr genau darüber, ob man mit den Kindern schon direkt über politische Inhalte reden sollte:

„Das Arbeiterkind kann nicht schon im frühen Alter für ein Parteiprogramm erzogen werden, das lehnen wir Kinderfreunde grundsätzlich ab. Es soll kein Gläubiger eines Parteidogmas werden. Dadurch unterscheiden wir uns von den Spartakusgruppen der Kommunisten“ (SuE, 220)

Es sei einmal dahingestellt ob es ein Ideal der Spartakisten war, Parteisoldaten im Sandkasten heran zu ziehen. Für Löwenstein ist auf jeden Fall klar, dass man den Sozialismus den Kindern anders nahe bringen muss als mit Urteilen über die Welt. Diese „dogmatische“ Herangehensweiße, über den Willen und den Verstand des Kindes ist ihm grundunsympathisch. Dafür entdeckt er bei den Kinderfreunden der Kirche und des Militärs sein Mittel der Wahl:

„Niemals haben die Kirchen sich gescheut, die Kinder vom frühesten Alter an mit all der Symbolik und dem Dogmengehalt der jahrhundertealten Überlieferung zu erfüllen. Niemals hat die monarchistische Erziehung der Vergangenheit es sich nehmen lassen, selbst die jüngsten ABC-Schützen mit „Monarchismus“ und „Patriotismus“ zu füttern. Sie taten es nicht mit Begriffsbestimmungen, nicht mit verstandesmäßigen Erwägungen, aber sie machten die Kinder vertraut mit dieser Welt, damit sie sich heimisch in ihr fühlten und sie ihnen lieb geworden war, als Heimat ihrer schönen Kinderjahre.

So und auch nur so sollen unsere Küken Heimgefühl für ihre Klasse und für die Arbeiterbewegung bekommen“ (SuE 220)

Die sozialistische Erziehung erzählt den Kindern also nicht einfach, was so ein Staat eigentlich ist und wie man als Prolet darin vorkommt. Da hätten die Kinder dann zwar die Möglichkeit, Widerspruch einzulegen und eine Debatte anzufangen, aber irgendwie ist das dann doch zu „dogmatisch“. Statt dessen also sollen Heimatgefühle in der Klasse erzeugt werden – Sozialismus soll sich einfach toll anfühlen, auch wenn die Kinder gar nichts an der Hand haben, was Sozialismus denn eigentlich ist außer ein schickes Zeltlager oder ein schmetterndes Lied: „…und wenn sie dann singen „wir sind das Bauvolk der kommenden Welt“, so haben sie gewiß noch keine Vorstellung von der gewaltigen Aufgabe der sozialen Revolution, aber sie wissen doch schon, daß es etwaas Gutes ist, und daß man stolz darauf sein kann, Bauvolk der kommenden Welt zu sein.“ (SuE 220)

Fassen wir zusammen: Über Inhalte mit Kindern zu reden ist Parteidogmatismus, Tugenden hingegen wollen gelebt sein, z.B. Kurt Löwensteins wunderbar sich selbst widersprechendes Paar von der „Friedensliebe“ und der „Kampfbereitschaft“. Dass diese Tugenden auch prima zu jeder anderen Erziehung passen, lernt man u.a. bei Hitler, der die deutsche Jugend auch aufforderte, „friedensliebend und kampfbereit“ (!) zu sein. Vielleicht liegt es eben doch nicht an einem Mangel an Tugenden, dass die Arbeiter sich 1914 gegenseitig abschlachteten, sondern an ihren falschen Urteilen über die Nation und ihre Rolle. Dagegen hilft allerdings kein noch so tugendhafter Umgang, sondern eine Debatte darüber, was der Staat ist.


12 Comments on “#1 Tugend statt Inhalt”

  1. Veit sagt:

    Einerseits gibt es eventuell ein Missverständnis über die Kontroverse mit den kommunistischen Pädagog_innen um Hoernle. Natürlich konnte damals das Spannungsfeld „Erziehung zum Klassenkampf“ vs. „Erziehung im Klassenkampf“ nicht zuende diskutiert werden, in dem wir uns in der Wahl der Methoden und Anlässe bis heute ständig bewegen und bewegen müssen. Insgesamt gibt aber Löwensteins Versuch, Modelle zu entwickeln, in denen entgegen den alltäglichen Prägungen der bürgerlichen Gesellschaft (in ihrer damaligen Verfassung) demokratische statt autoritäre, solidarische statt herrschaftliche Grundhaltungen entwickelt werden sollten, IMHO einen spannenderen Ausgangspunkt für heutige pädagogische Debatten her als Hoernles Berichte von kleinen wandernden Wahlkämpfer*innen.

    Zweitens müssen in der fairen Bewertung der damaligen Konzepte, aber auch in der Frage, woran sich heute bruchlos anschließen lässt, alle aufgeworfenen Fragen der „Erziehung nach Auschwitz“ mitgedacht werden, und es tut sich ein verstärkter Zwiespalt zwischen „revolutionärer Innerlichkeit“ als stolzer „Teil einer Jugendbewegung“ und der notwendigen stärkeren Betonung individueller Kritikfähigkeit und Widerspenstigkeit auf (wobei sich da eigentlich an Löwensteins Ablehnung von „Parteidogmen“, so wie ich sie verstanden habe, durchaus anknüpfen lässt).

    Was mir an der Sammlung „Sozialismus und Erziehung“ vor allem immer gefallen hat, war der starke Praxisbezug, der auch einen sehr direkten und oft kreativen Vergleich z.B. mit unseren heutigen Zeltlagerkonzeptionen ermöglicht. Die Texte vorrangig auf der Suche nach fundierter Staatskritik zu lesen, wird enttäuschen müssen. Da würde sich eher eine, sicher auch kritische, Auseinandersetzung mit den kommunalpolitischen Aktivitäten in Neukölln (Kurt Löwenstein als Stadtschulrat usw.) und deren Begründungszusammenhängen ohnen, die sich ja in vielem stark an den Austromarxismus und das Rote Wien angelehnt haben.

    Ich muss aber sagen, dass mir das alles sehr schwer fällt, gelassen und mit dem Ziel gemeinsamen Erkenntnisgewinns zu diskutieren, wenn Du die für ihre Zeit in vielerlei Hinsicht revolutionären und gerade in Fragen von „Krieg und Frieden“, aber auch „Staat und Nation“ zweiffellos weit links des (und zwar auch des sozialdemokratischen) Mainstreams verorteten Gedanken und Aktivitäten von Löwenstein und den Kinderfreund*innen mit einem kleinen rhetorischen Kniff in die Nähe von Hitlerjugend und SS rückst. Das finde ich nicht nur ahistorisch und irreführend, sondern fast ein bisschen niveaulos.

    • Peter sagt:

      Ich antworte dir morgen in aller Ruhe. An dieser Stelle nur: Ich wollte Löwenstein nicht mit „einem kleinen rhetorischen Kniff in die Nähe von Hitlerjugend und SS“ rücken, und bin sehr froh das du dich davon auch nicht hast abringen lassen mir zu antworten. Ich bin tatsächlich an einer Debatte interessiert, nicht zuletzt weil ich auch viel zu wenig über das Thema weis und hoffe so mehr zu erfahren.

      Ich wollte mit der Stelle in meiner ersten These eigentlich nur darauf Hinweisen, wie beliebig solche „Tugenden“ sind, und das sie eben auch von den Nazis propagiert wurden – deren Inhalte jenen Löwensteins nun wirklich diametral entgegenstanden.

      • Veit sagt:

        Ich glaube, diese „Tugenden“ sind in ihrem konkreten Inhalt und Zusammenhang nicht so beliebig, wie die auf den ersten Blick ähnliche Bezeichnung es erscheinen lassen mag. Gerade die nationalsozialistischen Chefideologen haben auf ihrem Weg zur kulturellen Hegemonie ja einen bis dahin beispiellosen Kampf um die Eroberung und Umdeutung von Begrifflichkeiten geführt, als hätten sie ihren Gramsci aufmerksam gelesen.

        Dass in Hitlers Rede an die deutsche Jugend die „Friedfertigkeit“ eine mehr als verlogene Phrase war, muss nicht näher begründet werden.

        Dass Kurt Löwenstein mit diesem Begriff ein entgegengesetztes politisches und pädagogisches Ziel beschrieb, mag etwas deutlicher werden in bekannten Zitaten wie: „Unser Wille zum Frieden ist der Wille zur internationalen Organisierung der Menschheit.“ oder „Krieg ist die Verneinung der menschlichen Vernunft.“

        • Marina sagt:

          Also bzg der Tugenden und der Methodik sie zu vermitteln: Ich hatte Peter Kritik durchaus etwas grundsätzlicher verstanden, nämlich als eine Kritik der Pädagogik insgesamt am Beispiel der sozialistischen. Das wurde auch begründet: Ein Pädagoge, egal ob sozialistisch oder nationalsozialistisch oder ökologisch etc pp hat seinen Zweck nicht darin, seinem Sorgeobjekt die Welt zu erklären, damit das Kind dann selber Schlüsse daraus ziehen kann und eventuell auch widerspricht. Er ist vielmehr um die Methodik (getrennt von alldem, was er dem Kind vermitteln will) bemüht, also um die „technische“ Frage:“Wie tue ich ihm das Zeug in den Kopf?“ Man merkt schon hier, dass das Kind bei dieser Betrachtung nicht als ein kleiner denkender Memsch vorkommt, sondern als Objekt, dem es etwas einzuflößen gilt.
          Ich für meinen Teil möchte mich wirklich nicht drüber streiten, welche Tugenden denn die „besseren“ sind, zumal sie sich (teilweise) auch sehr ähneln, weil Tugenden generell nichts sind, was mit dem Verstand zu begreifen wäre. Die kann man wirklich nur mit dempädagogischen Holzhammer „eingehämmert“ bekommen und wohin das führt, wenn man nichts von dem begreift, was politisch auf der Welt los ist, sondern nur lauter abstrakte Tugenden im Kopf hat (Friedensliebe, obwohl überall Staaten Kriege führen oder Umweltbewusstsein, obwohl die Industrie Wald und Wiese zerstört…), konnte man sehr anschaulich bei Hitler beobachten. (Über den Vergleich darf man aber nicht vergessen, was heute los ist. Der Vergleich steht als drastisches Beispiel dafür, was Pädagogik anzurichten vermag.)

          • Veit sagt:

            Ich finde die Parallele zu Hitler immer noch absurd. Gerade da wird doch am Deutlichsten, wie unterschiedlich angeeignete Grundhaltungen wirken: Demokratische Selbstorganisation vs. Befehl und Gehorsam, Internationale Solidarität vs. Herrenmenschentum; Klassenstandpunkt vs. Volksgemeinschaft …

            Und woher nehmt Ihr eigentlich die Gewissheit, sozialistische Pädagog*innen wollten nur auf abstrakte Tugenden setzen und ihr Gegenüber nichts von dem Begreifen lassen, was auf der Welt los ist?

            Die zugrundeliegende Annahme ist, dass man, wenn den das menschliche Individuum wesentlich das Ensemble seiner gesellschaftlichen Verhältnisse ist, gar nicht nicht erziehen könne. Wer immer sich mit Kindern umgibt, beeinflusst sie durch sein Vorbild und eben nicht zuletzt durch die Art von Aushandlungsprozessen, die sie erlebeb. Jedes Kind sei also ständig gesellschaftlicher Einflussnahme und, wenn man so will, Normierung ausgesetzt. Wer ihnen helfen will, emanzipatorische Perspektiven zu entwickeln, müsse daher der einseitigen bürlerlichen / religiösen / autoritären / militaristischen … Beeinflussung ein anderes, solidarisches, demokratisches, klassenbewusstes Erleben entgegensetzen.

  2. Peter sagt:

    Zum Kampfeswille und Friedenserziehung als Tugenden einer sozialistischen Erziehung

    Tatsächlich sehe ich die Erziehung zum Friedenswille bei Hitler nicht als „verlogen“ an. Hitler meinte damit eben einen sehr konkreten Inhalt: Als Deutsche haben alle zusammen zu halten – Arbeiter und Unternehmer, Mieter und Vermieter – und sollten sich alle dem nationalen Wohl unterordnen. Dieses Friedensgebot, das nationale Wohl nicht durch bornierte „Klasseninteressen“ oder gar dekadente „egoistisch-materielle“ Gelüste zu blockieren, war alles andere als geheuchelt. Dieser Friedenswille war von den Nazis durchaus gewünscht, selbst in heute seltsam erscheinenden Situationen. Als 1934 bereits die ersten SA Verbände auf eigene Faust Pogrome starteten, wurden diese von der deutschen Justiz verurteilt. Die NSDAP sah ihn ihnen Störer des nationalen Friedens, weil es keine Aufgabe der je einzelnen sei, zu entscheiden wer zum Kollektiv gehöre (wo der Friedenswille angebracht ist) und wer zum Feind gehöre (wo der Kampfwille angebracht ist).

    Bei der sozialistischen Erziehung nun ist der Inhalt ganz anders gesetzt. Dazu ein längeres Zitat von Löwenstein:

    „Die Reaktion braucht für die Erhaltung ihrer Klassenposition eine starke militärische Macht. Die Arbeiterklasse braucht Gewalt nur zur Abwehr von Unterdrückung. Im Bewußtsein der Masse wird die Erkenntnis ihrer Klassenaufgabe allein schon zur materiellen Macht. Wenn die Klassenlage revolutionär ist, dann dringt sie durch alle Poren der Gesellschaft, dann zittern selbst in den Händen der treuesten Landsknechte die Bajonette der Reaktion.

    Darum brauchen wir revolutionäre Gesinnung [!] aber nicht militaristische, darum [?] ist Wehrwille das Schlagwort der Konterrevolution, Kampfwille die Bereitschaft der Arbeiterklasse. Auch unser Kampfwille braucht Inhalte, Formen und Mittel. Der Inhalt unserers Kampfes ist Gegenwartssozialismus, die Form unseres Kampfes ist die Erziehung unserer Menschen zum politischen Denken, Wollen und Handeln, die Mittel unseres Kampfes richten sich nach den Kampfmitteln unserer Gegner. Wir hassen die Mittel des Barbarentums, aber die Arbeiterbewegung haßt sie nicht nur bei uns, sondern auch in den Händen der anderen. Sozialismus ist keine Schwärmerei, sondern Bereitschaft zum Kampf wie zum Aufbau. In einer Zeit, wo Terror droht, muß der Terror erledigt werden. Die Arbeiterklasse kann einer vorübergehenden Gewalt ausweichen, der systematischen Gewaltwillkür wird sie ihre organisierte Gewalt entgegensetzen müssen. Darum wird unsere Erziehung den Willen zum Frieden, aber auch die Bereitschaft zum Kampfe lebendig erhalten.“

    Hier wird deutlich, dass der Inhalt der Sozialisten ein ganz anderer ist als jener der Faschisten – was nicht weiter überrascht. Aber wenn man vom Inhalt weggeht und eben nur noch die Tugenden „Kampfwille und Friedenserziehung“ predigt, dann ist das kompatibel mit jeder Widerlichkeit. Die Tugenden an sich sagen eben gar nichts über den spezifischen Inhalt.

    Das allerdings auch Kampfeswille gefordert war, ist offensichtlich.

    • Veit sagt:

      Klar, wenn man vom Inhalt weggeht, bleibt kein unterscheidbarer Inhalt mehr. Das ist dann aber keine begründete Kritik an Theorie und Praxis der Kinderfreundebewegung, sondern ein selbstgebastelter Zirkelschluss. Oder?

      • Peter sagt:

        Nein, denn da das Kind „kein Gläubiger eines Parteidogmas werden“ soll, gibt es die Tendenz in der sozialistischen Erziehung, gerade von diesen Inhalten wegzugehen, und den Kindern „Tugenden“ beizubringen. Diese Tugenden sind allerdings – das sollte gezeigt werden – alles andere als dezidiert sozialistisch.

        • Simon sagt:

          Ich verstehe deine Art des Abklopfens sozialistischer Erziehungs-Theorie nicht recht bzw. dein Ziel dieser Argumentationslinie. Möchtest du sagen, dass Einzel-„Tugenden“ bzw. Einzel-Fertigkeiten mit nichten einer Seite zuzuordnen sind? Das ist geschenkt, aber dekonstruiert in meinem Kopf das Gesamtpaket „Sozialistische Erziehung“ aber auch nicht … Ich würde da sogar so weit gehen, dass es keine einzelne (!) Tugend gibt, die dezidiert sozialistisch ist und dass es das Gesamtpaket an „Tugenden“ bzw. Zugängen und Grundfertigkeiten ausmacht, was „Sozialistische Erziehung“ ist.

          Den anderen Kritikpunkt, den du reingibst – nämlich die Balance zwischen „Wir indoktrinieren nicht“, aber wir erziehen Kinder – das ist eine Sollbruchstelle, um die wir nicht herumkommen in den Anforderungen, die eine „Sozialistische Erziehung“ stellt. (Stichworte „Kollektivismus“ und „Individualismus“ halt umgelegt)

          • Peter sagt:

            Ich verfolge mit der Reihe „Debatte sozialistische Erziehung“ und meinen Beiträgen dazu kein festes politisches Ziel, sondern bringe Kritik an wo ich Standpunkte für kritikabel halte. Es gibt also kein „Ziel dieser Argumentationslinie“. Ich beschäfte mich eben gerade mit der sozialistischen Erziehung und will das dazu nutzen, mit Kinderfreunden, Falken etc. ins Gespräch zu kommen über Klassiker und aktuelles zum Thema.

            Ich glaube der Punkt mit den Tugenden und der Angst vor Indoktrination ist der gleiche. Gerade aus dieser Furcht heraus, den Kindern die Möglichkeit zu nehmen selbst zu denken (eine unbegründete Angst, weil man diese Fähigkeit Menschen gar nicht nehmen kann) setzt man auf Tugenden – die es aber an sich haben gerade keinen Inhalt zu haben – deswegen setzt man ja überhaupt auf sie. So kann man auch nichtsozialisten die sozialistische Erziehung schmackhaft machen, in dem man den Eltern erzählt wie viel Wert bei den Falken auf „Entwicklung der Persönlichkeit“ oder „Kritikfähigkeit“ (siehe dazu #2 der Debatte) gelegt wird.

    • Simeon sagt:

      Ich finde Wolfgang Klafki zum Thema „Tugend“ und „Inhalte“ bzw. „Fertigkeiten“ sehr aufklärend. Seinem Begriff der Allgemeinbildung (v.a. auch als Reflexion von Schlüsselproblemen der Gegenwart) nach, schließt Erziehung immer ein Maß an konkreten Fertigkeiten an einem konkreten Gegenstand, wie auch Tugenden, wie Selbstdisziplin, Anstrengungsbereitschaft, Rücksichtnahme ein. „Es ist aber entscheidend wichtig den Stellenwert solcher Momente richtig zu bestimmen: Es handelt sich um instrumentelle, funktionale Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten und um Sekundartugenden, die als solche nichts über ihre begründbare, verantwortbare Verwendung sagen und ebesonwohl im Dienste humaner, demokratischer, friedlicher, mitmenschlicher Ziele und Handlungszusammenhänge gestellt wie zum Konkurrenzkampf, zur Herrschaft über andere Menschen und zu ihrer Ausnutzung, zur Vermehrung von Friedlosigkeit, zur Verhinderung von Aufklärung, Mitbestimmung, Chancengleichheit usw. benutzt werden können. Daher ist es verfehlt, und es könnte verhängnisvolle Folgen haben, wenn man sie zu Voraussetzungen anspruchsvoller Bildungsziele und -prozesse erklärt und ihnen im Bildungsgang sachliche und zeitliche Priorität zuspricht, wie das in manchen konservativen Allgemeinbildungskonzepten der Gegenwart geschieht. Demgegenüber benutze ich bewußt die Formulierung, daß sinnvolles und ertragreiches Lehren und Lernen, Allgemeinbildung im hier vertretenen Sinne solche Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Sekundärtugenden einschließt. Das will besagen: Sie sollten im Zusammenhang mit legitimierbaren Zielsetzungen und inhaltlich relevanten Problemstellungen erlernt werden, so nämlich, daß sie von den Lernenden als notwendige Instrumentarien eingesehen werden können.“ (Klafki, Wolfgang: Abschied von der Aufklärung? Grundzüge eines bildungstheoretischen Gegenentwurfs.)

  3. Anarchist sagt:

    Leider wird all zu oft in deutschen Schulen und Universitäten von einer Forderung des Grundgesetzes schon auf deren Realisierung geschlossen. Die Realität wird nicht auf den Prüfstand gehoben, im Gegenteil. Wer in Deutschland nach der Verfassungswirklichkeit gefragt wird, pflegt oftmals nur das Grundgesetz aufzuschlagen, um dann zu behaupten, dass das Wirklichkeit ist, was nach der Zielvorstellung des Grundgesetzes Wirklichkeit sein soll, allein weil es dort so geschrieben steht. Das ist irreführend…. Die Organisationsstrukturen des kaiserlichen Obrigkeitsstaates blieben bis heute erhalten (vgl. http://gewaltenteilung.de.preview.web01.linux.cnsmr.serviceprovider.de/idee#19). Irreführung ist normalerweise strafbar.
    Der Rechtsstaat steht nur auf dem Papier. Der positive Sinngehalt der einschlägigen Gesetze wird in den Köpfen der zuständigen Beamten derart deformiert, dass vom ursprünglichen Gesetzeszweck so gut wie nichts davon übrig bleibt. (vgl. http://www.wengert-gruppe.de/wengert_ag/news/2003/SteuerstrafverfinDeutschland.pdf).
    Richter sind in ihrer Struktur obrigkeitsstaatlich und „kritikfrei“ rückwärts gewendet… Einzelnen würde kein Recht gewährt wird, weil sonst intern Köpfe rollen würden (vgl. http://www.locus24.de/foc/foc-0002.html).
    Gerichtlichen und behördlichen Entscheidungen (nebst Justizministerien, Petitionsausschüssen etc.) fehlt wegen Verdrehungsabsicht zumeist eine plausible Begründung, oft sogar die Sachbezogenheit. Hauptverantwortlich für das perfide Rechtschaos mit Methode sind die Parlamentsabgeordneten, das Bundesverfassungsgericht und auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (von http://unschuldige.homepage.t-online.de/default.html).
    Sinn und Zweck des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte ist, den Menschen eine Illusion von einer heilen Welt der Menschenrechte vorzuspielen (vgl. http://derhonigmannsagt.wordpress.com/tag/europaischer-gerichtshof-fur-menschenrechte/).


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.