#3 Georg wird Obdachlos

Heute wollen wir mal besprechen, warum es eigentlich Obdachlosigkeit gibt. Nehmen wir Georg. Georg wohnt auf der Straße. Georg kann nämlich seine Miete nicht mehr bezahlen. Wenn man kein Geld hat, dann kann man auch nicht in einer Wohnung wohnen. Die Leute, die so ein Haus bauen lassen, machen das um Geld zu verdienen. Und wenn Georg dafür nicht taugt, weil er keine Miete bezahlen kann, dann muss er raus. Der Grund für Georgs Obdachlosigkeit ist also – genau! – Georg ist krank.

Ja, Georg ist krank geworden. Er ist ganz dolle auf den Kopf gefallen. Das passiert ganz vielen Menschen und meistens ist das nicht so schlimm. Schlaue Leute haben rausgefunden: „Jedes Jahr erleiden in Deutschland schätzungsweise mehr als 270.000 Menschen ein Schädel-Hirn-Trauma (SHT)“. Aber bei Georg und ein paar anderen hat es das Oberstübchen ganz kräftig durchgeschüttelt und auch nach ein paar Tagen im Bett sind nicht alle Bretter wieder gerade geworden. Macht ja nichts, es gibt ja genug Wohnungen und Essen und Autos und Hilfe für Georg, auch wenn er nicht arbeitet. Denn es gibt ganz viel Reichtum in dieser Gesellschaft, weil es richtig gute Maschinen gibt, und ganz wenig Menschen ganz viele tolle Sachen machen können. Sachen, die gerade einer wie Georg jetzt brauchen kann, weil es ihm nicht gut geht. Er ist ja auch auf den Kopf gefallen. Schade für Georg, dass er jetzt oft Kopfschmerzen hat und seine Lieblingsbücher nicht mehr richtig lesen kann, aber mit der Wohnung hat das ja erstmal nichts zu tun. Aber Georg konnte auch nicht mehr arbeiten. Hat mit der Wohnung auch nichts zu tun. Aber mit dem Geld. Das hat Georg nicht mehr bekommen. Denn auch die Arbeit gibt’s hier nur, wenn sie sich für jemand anders lohnt. Das ist wie mit der Wohnung.

Jetzt konnte Georg nicht mehr arbeiten. Und weil er nicht mehr arbeiten konnte, hat er auch kein Geld mehr bekommen. Und ohne Geld musste er aus seiner Wohnung raus. Aber dass Georg seine Wohnung verloren hat, liegt nicht am Geld, oder dass es Wohnung nur gibt, damit der Besitzer der Wohnung jeden Monat ganz viel Geld von Georg bekommt. Schlaue Leute haben den wirklichen Grund gefunden: „Rund zehn Prozent der Untersuchten erlitten ihre Hirnverletzung sogar unmittelbar vor dem Fall in die Obdachlosigkeit – ein deutlicher Hinweis darauf, dass es sich hier offenbar um einen auslösenden Faktor handelt“ So ganz sicher ist man sich mit der Reihenfolge auch bei den schlauen Leute noch nicht: „Bedeuteten die Befunde, dass Hirnverletzungen das Risiko von Obdachlosigkeit erhöhen, oder dass Obdachlosigkeit mit einem erhöhten Risiko von Hirnverletzungen einhergeht?“ Aber klar ist auf jeden Fall: Obdachlose haben ein Problem im Oberstübchen.

Und weil das kaputte Oberstübchen natürlich gleich zum Verlust der Wohnung führt, muss man den Kopf wieder heile machen, damit Menschen wie Georg mit ihren Lieblingsbüchern nicht noch Sofa und Fernseher verlieren. „Anders gesagt: Obdachlosigkeit wäre unter Umständen durch rechtzeitig einsetzende neurologische Therapie vermeidbar.“ Aber zum Glück gibt es schlaue Menschen die Leuten wie dem Georg helfen wollen. „Frühzeitige Therapie könnte zudem mittelfristig helfen, Obdachlosigkeit zu verhindern.“ Da wird Georg sich aber freuen!

Alle Zitate aus:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/obdachlosigkeit-neurologische-probleme-und-hirntraumata-als-grund-a-966299.html



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