#49 Hauptsache, man hat die richtige Einstellung zu Palästina

Bereits vor fast einem Jahr, druckfrisch also, fand ich Evelyn Hecht-Galinskis Buch „Das elfte Gebot: Israel darf alles. Klartexte über Antisemitismus und Israelkritik“ auf einem linken Infotisch in Stuttgart und war irritiert. Auskunft wurde mir nur zuteil in linkskryptischer Form: Sie sei fortschrittlich.

Jetzt ist ein Radiobeitrag von EHG auch auf einer anarchistischen Seite zu finden (1). Das wirklich ärgerliche daran ist, das EHG lauter Positionen vertritt, die kein Linker, Kommunist oder Anarchist bei einer anderen Person diskutabel fände. So schreibt EHG in dem Artikel auf syndikalismus: „Wie ist es möglich, dass eine deutsche Bundeskanzlerin den Kriegsverbrecher, dessen Sarg eigentlich noch nach Den Haag gehört, als einen”israelischen Patrioten, der sich große Verdienste um sein Land erworben hat”, würdigt?“ (1)

Da fühlt sich eine gute Patriotin beleidigt, und findet das der gute Einsatz fürs Vaterland der hier gewürdigt wird ja wohl kaum mit jemand zusammenpasst, der Menschen ermordet. Dabei ist der Einsatz fürs Vaterland eben eine blutige Angelegenheit.

Auch nicht begriffen hat EHG, dass der Staat nunmal nicht „wir alle“ sind, sondern die Menschen eines Landes nur das Material, dass für die herrschaftlichen Zwecke hergenommen wird. So ist sie völlig empört und schreibt: „Wie ist es möglich, dass der neue und alte SPD Außenminister Steinmeier, den Kriegsverbrecher Scharon als einen “unermüdlichen Verteidiger seines geliebten Heimatlandes Israel ” würdigt?“(1) und zeigt dabei, dass es für sie nicht zusammenpasst, die Interessen das Vaterlandes zu verteidigen und dabei durchaus das Leben von israelischen Soldaten zu gefährden bei Angiffen gegen Nachbarländer.

Aber auch zu ihrem Leib- und Magenthema Israel und Palästina wäre Skepsis bei ihren Thesen angebracht. Wenn Juden sich ab 1936 nicht mehr völlig wehrlos den Pogromen aussetzen wollten sowie dem deutschen Faschismus der die Welt überrollte und mit Rommel sogar fast bis Palästina kam, dann wittert EHG Terrorismus. Die arabischen Antisemiten hatten bereits die Häuser ihrer jüdischen Nachbar makiert, damit die einfallenden Nazis gleich mit den Deportationen anfangen konnten. Allerdings verlor Rommel die Schlacht 1942 in El-Alamein und die Juden in Palästina wurden nicht deportiert. In dieser Zeit also bewaffneten sich auch Juden – und diese paramilitärische Organisation, die später zur israelischen Armee wurde, beschreibt EHG als „jüdischen Terrororganisation Haganah“ (1).

Der Streit zwischen Hecht-Galinksi und Henrik M. Broder illustriert die Idiotie Antideutscher und Antiimperialistischer Karrikaturen die sich ständig in neue Blödheiten verstricken sehr gut. Broder schmoddert sexistisch-dümmlich gegen Galinski und schreibt in einem Brief: “ jeder kölsche jeck mit zwei promille im blut würde sogar an weiberfastnacht erkennen, dass frau EHG eine hysterische, geltungsbedürftige hausfrau ist, die für niemand spricht außer für sich selbst und dabei auch nur unsinn von sich gibt.“ (2)

Galinski antwortet darauf rassistisch-national, Broder sei doch ein „Immigrant, den hier keiner in Deutschland eigentlich haben wollte“(3). Eigentlich also eindeutig ein Streit zwischen Positionen, die man alle nicht teilen sollte. Aber die Sympatien sind ja längst verteilt, jedes lager weiß ob es Isrealsolidarisch ist und Broder zitiert oder Palästinabefreiend und mit Galinski auf dem Infotisch. Hauptsache, man hat die richtige Einstellung zu Palästina, dann scheint in dieser Linken alles andere auch egal zu sein

Mehr auf www.keinort.noblogs.org

(1) http://syndikalismus.wordpress.com/2014/01/16/der-schlachter-von-beirut-vor-dem-hochsten-gericht/
(2) http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/tolle_tage_mit_juedischen_experten
(3) http://www.deutschlandfunk.de/streit-unter-bruedern.691.de.html?dram%3Aarticle_id=50133



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