#9 Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen

Dass Faschismus keine Meinung sondern ein Verbrechen sei, ist nicht nur ein Leitspruch bürgerlicher Antifaschisten, sondern beliebt bis hin zu anarchistischen Antifaschisten1. Damit ist der Merkspruch „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen“ wohl die gängigste Verharmlosung des Faschismus, denn ein Verbrechen ist ein Rechtsbruch und damit ein Verhalten gegen die staatlich durchgesetze Rechtsordnung. Der Faschismus wird damit zum Bruch mit den staatlichen Gesetzen erklärt und damit verharmlost als ein unberechenbares Anderes, was gar nichts zu tun hat mit der hier durchgesetzen Art zu wirtschaften und dem Nationalismus der Menschen.

Wichtig ist dabei auch nicht unbedingt der Rechtscharakter eines Verbrechens – so wird von so manchem Anhänger dieses Merkspruches eingewendet, dass ein Verbrechen auch verstanden werden kann als ein Verstoß gegen „die Grundregeln menschlichen Zusammenlebens“2. Hier findet sich jedoch der gleiche Fehler: Wird doch auch bei dieser Lesart der Parole deutlich, dass der Faschismus scheinbar gegen Grundregeln verstößt, welche in der bürgerlichen Gesellschaft an sich gelten würden. Dabei ist Mord- und Totschlag des staatlichen Gewaltmonopoles auch in der bürgerlichen Gesellschaft rechtlich erlaubt. Die Bombadierungen von Jugoslavien bis zum Irak, sowie die geschlossenen Grenzen vom Tortilla Curtain in Nordamerika bis hin zum Massengrab im Mittelmeer als Zivilisation zu sehen, mit welcher der Faschismus gnadenlos gebrochen hätte, verklärt den Nationalismus eines Adolf Hitlers zum ganz Anderen, anstatt die Radikalisierung eines Prinzips zu erkennen, das auch die bürgerlichen Staaten prägt.

Die zum Beweis der These des Zivilisationsbruchs immer wieder angeführte historische Einzigartigkeit einer industriellen Vernichtungsmaschinerie von Menschen für bzw. gegen Menschen taugt für diesen Zweck nicht: So ist zwar die Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Konsequenz und Vehemenz in der Durchführung der Aussonderung und in diesem Fall Ausrottung der staats- und volkszersetzenden Elemente einzigartig, aber gerade hier als blutigste Geradlinigkeit einer Struktur zu erkennen, die in ihrer Potenz bereits im bürgerlichen Nationalismus angelegt ist.

1http://www.taz.de/Antifa-Mitglied-ueber-Outing-von-Rechten/!127412/

2http://de.wikipedia.org/wiki/Verbrechen



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.