#44 Das Fest der Liebe

Jedes Jahr erinnern die Menschen Spektrenübergreifend daran, dass der eigentliche Zweck des Weihnachtsfestes ja längst zwischen Tonnen von Lametta und Geschenken erstickt wäre und das Fest der Liebe zum Fest des Konsums verkommen wäre. Die Zeit stellt fest, dass „Müllberge, Akkordarbeit, Konsumstress“(1) die Folge des Weihnachtsfestes seien und bereits 2011 schrieb der Althippi Langhans, dass „Eigentlich klar [ist], dass Linke Weihnachten hassen sollten“ (2) – eben weil es zum Kauffest geworden wäre.

Dabei ist die beschauliche Rücksinnierung auf den Herrn im Himmel der uns geboren ward wohl einer der Ursprünglichen Ideen des Weihnachtsfestes und drückt in seinem sehnen nach einem guten Herren eine so devote Lebenshaltung aus, dass I-Phones und Legoburgen auf Wunschzetteln eigentlich Sympatischer wirken sollten. Die Sorte Kinder, die für einen Herren, der sie ausnahmsweiße mal nicht verprügelt sondern sogar für sie stirbt gerne mal auf den obligatorischen Umschlag von Oma zu Heiligabend verzichten, sind viel gefährlicher als jeder „Konsumwahn“ unterm Weihnachtsbaum.

Der Christ im Stroh ist der Idealismus einer Sorte Menschen, die sich ein Leben ohne Herren überhaupt nicht vorstellen kann, aber zumindest noch feststellt, dass es ihre Führer im hier & heute doch nicht immer gut mit ihnen meinen. So verpflichten sie sich jenem einen, der wirklich nur über sie Herrschaft, damit es i h n e n gut geht – Amen.

Wo Langhans und andere Linke den Kern des Weihnachtsfestes betrauern – da angeblich völlig verlorengegangen – geht es freilich nicht um irgendwelche heiligen Kinder sondern um „das Fest der Liebe“, dass sich bei genauem Hinschauen als passendes Fest zur bürgerlichen Familie entpumpt.

Wo einen genauer Betrachtet mit der „heiligen Familie“ keine gemeinsamen Interessen verbinden sondern die staatlich gesetzte Bedarfsgemeinschaft und die finanzielle Verantwortung für die Balger, die eh nicht werden wollen was man sich für sie erträumt hat, da passt ein „Fest der Liebe“ gut ins Repertoire der Pflichtübungen, die einmal im Jahr geübt wird. Da sitzen dann alle zusammen, die man sonst nie sieht – weil einen ja auch nichts verbindet was über den Geldbeutel und ein paar DNA Fetzen hinausgeht – und heucheln sich jene Liebe vor, die sonst ganz kalkuliert gar nicht vorkommt im menschlichen Konkurrenzkampf der hier Gesellschaft geschumpfen wird.

Wo der vereinzelte tatsächlich mal gerne Zeit mit seiner Familie verbringt ist nicht das Prinzipielle widerlegt, sonder findet sich zur Zwangsgemeinschaft durch Zufall oder viel guten Willen tatsächlich das gemeinsame Interesse. Oder aber, der Alltag ist bereits so unterträglich geworden, dass selbst die Pause vom Arbeiten die man mit der Familie verbringt noch als Erholung wahrgenommen werden von dem was die Arbeit mit uns macht.

Wo die Menschen tatsächlich Zeit hätten sich mit jenen zu treffen die sie mögen bräuchte es kein „Fest der Liebe“, und wo die Menschen nicht als vereinzelt Einzelne gegen jeden anderen antreten müssten in dem Versuch ihre Reproduktion zu arragieren, da braucht es auch die Familie nicht. Es ist also bei weitem nicht die „Konsummentalität“, welche das eigentlich gute Weihnachten kaputtmacht, sondern viel eher der Flachbildfernseh unterm Weihnachtsbaum, welcher die religiös-devote Liebesheuchelei der heiligen Nacht noch erträglich macht.

(1) http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-12/weihnachtskonsum
(2) http://www.taz.de/!83858/



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