#8 Der alternative Verfassungsschutz der autonomen Antifa Freiburg

Ein Aktivist der autonomen Antifa Freiburg wird interviewt – und gibt eine gute Übersicht darüber, was Antifaschismus wohl so bedeutet. Auf die Frage, was für ihn ein Nazi sei, wird stichhaltig geantwortet: „Das fängt bei Leuten an, die andere zusammenschlagen und ermorden, weil sie nicht in ihr faschistisches Weltbild passen, bis hin zu Leuten, die Naziideologie verbreiten. Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.“ (1) Man höre und staune also – Ein Faschist ist ein Faschist ist ein Faschist.

Nachdem das also geklärt wäre, erklärt der Antifaschist aus Freiburg noch die Grundsätze der autonomen Nazijäger: „Ein Grundsatz unserer Öffentlichkeitsarbeit ist: Wir lügen nicht.“ (1) Man kann also beruhigt sein: „Wenn etwas in unseren Kommuniqués steht, dann kann man sicher sein, dass wir das für richtig halten.“ (1) Ob es richtig ist, mag der mitdenkende Leser sagen, steht ja trotzdem noch mal auf einem anderen Blatt. Aber: „Wir bemühen uns sehr, keine Fehler zu machen.“ (1). Erstaunlich was man hier so über Antifaschisten erfährt – sie schreiben in ihren Texten was sie richtig finden und nicht was sie falsch finden und versuchen auch nicht absichtlich Fehler zu machen.

So bitterernst sollte man die ersten Aussagen des Antifaschisten aber vielleicht gar nicht nehmen, weil Tautologien und Allgemeinplätze ja durchaus unterhaltsam sein können, und lachen tut auch der Antifaschist gerne einmal: „Wenn jemand als Nationalist nicht mal die deutsche Rechtschreibung beherrscht, dann teilen wir das gerne mit. Warum soll man nicht auch mal über Nazis lachen? “ (1) Ja, warum eigentlich nicht ein weiteres mal Nazis nicht kritisieren, sondern auf die bereits existierenden Vorurteile gegen Nazis bauen und einfach hoffen, dass die Leserin und der Leser nicht merken, dass gar keine Argumente gegen sie geliefert werden? Warum eigentlich nicht über die großen und kleinen Schwächen irgendwelcher Dorfnazis polemisieren anstatt den Faschismus zu kritisieren?

Über Faschisten zu lachen ist dabei ein Stück gelebter Antifaschismus, weil die Kameraden beim Lachen gerne mal mit einstimmen wenn aus dem Nähkästen geplaudert wird: „Etwas Zersetzung ist natürlich mit dabei. Aber wir erfinden nichts, sondern teilen nur Dinge mit, die wir belegen können.“ (1) Was außer einer Rechtschreibschwäche kann hier wohl noch gemeint sein? Die Vorliebe für Damenunterwäsche oder der heimliche Homofreund? Man möchte lieber nicht wissen, was die spießigen deutschen Nachbarn so zum lachen bringt, wenn sie es über die Nazinachbarn aus dem ersten Stock in einem Kommunique der Antifa erfahren.

In einem lichten Moment fällt selbst der Taz auf: „Sind Sie der bessere Verfassungsschutz?“ (1)

„Der Vergleich ist abwegig.“ finden die Antifaschisten: „Wir sind Anarchistinnen und Anarchisten und kämpfen gegen Nazis. Der Verfassungsschutz verteidigt das System und betreibt eine absurde Gleichsetzung von links und rechts.“ (1) Der Vergleich sei also abwegig, weil der Verfassungsschutz andere Zwecke verfolgt als die Autonomen – was natürlich nichts daran ändert, dass die Antifaschisten um ihre Zwecke zu verfolgen nichts anderes machen als der Verfassungsschutz. Diese alternative Straßen- und Internetpolizei hält ihre Stadt und ihr Land sauber von faschistischen Elementen und träumen weiter von einer wahren Demokratie, in der Faschisten nichts zu suchen haben.

„Wenn am Wohnort eines Nazis warnende Flugblätter an die Nachbarn verteilt werden, finden wir das ausdrücklich gut.“ (1) denn so wissen die tapferen Ritter für Gerechtigkeit, Faschismus kann hier keiner leiden. Dass die Nachbarn die aufgrund ihres Outings mit Franz K. oder Sarah L. oder wie der Nazikader eben heißt, den man per Kommunique bloßtellt, nicht mehr redet, ändert nichts daran, dass er wohl selbst findet, dass der Wirtschaftsstandort Deutschland vorangebracht werden muss. Den Nationalismus demokratischer Prägung, welcher in der Krise der Nation auch der Ausgangspunkt für den Faschismus sein kann wird dabei nicht kritisiert – die Antifaschisten nennen das „Bündnisfähigkeit“.

Die alte Lüge, Antifaschismus dieser Sorte ginge mit kommunistischer Agitation zusammen lebt von der Vorstellung der demokratischen Ideologie, es gebe einen wesentlichen Unterschied zwischen dem Nationalismus der Faschisten und dem patriotischen Nationalismus der hiesigen Demokratie-Fans. Dass diese jeden Ausländer ebenfalls der Prüfung unterziehen, ob er tauglich ist für Deutschland oder nicht, wird vergessen über ihr anderes Urteil: Dass durchaus der Eine und die Andere zu gebrauchen ist für den Wirtschaftsstandort Deutschland und seinem Bedarf nach Humankapital.

Wer die Demokratie immerzu vor den Faschisten schützen will kommt dann konsequent auch zu einer der gängigsten Verharmlosungen des Faschismus: „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.“ (1). Verbrechen sind ja bekanntlich Handlungen gegen geltendes Recht – womit der Faschismus einfach mal als ein Betriebsunfall des Nationalismus und der hier gängigen Rechenart heruntergespielt wird statt als deren – mögliche – blutige Konsequenz. Dabei war Judenvernichtung und Kommunistenhatz eben kein Verbrechen, sondern staatliches Programm. Es bleibt eben dabei, dass Kommunismus ein Verbrechen ist – und das auch in einer Stadt, die von der autonomen Antifa noch so gut sauber gehalten wird.

(1) http://www.taz.de/!127412/



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