#41 Der Feind im eigenen Kühlschrank

Landhof Gratinkäse gerieben 200g (1) und auch Star Marke Gouda ger. 200g (1), sowie fast 20 andere Käsesorten, vertrieben von Kaufland, Edeka, Marktkauf, Kaiser, Lidl, Netto und Real (1) werden zurückgerufen wegen dem Verdacht, gefährliche Bakterien zu enthalten. „Wenn Packungen der genannten Art im Haushalt seien, sollten Kunden diese entweder vernichten oder in die Verkaufsstelle zurückbringen.“ (2). Der Käse kann Nebenwirkungen verursachen wie „Entzündungen des Gehirns […] Durchfall und Bauchschmerzen […] hohes Fieber, starke Kopfschmerzen, Lähmungen und Benommenheit“ (2).

Neben diesen Durchfallkäse gab es über das Jahr schon einige Lebensmittel mit überraschendem Inhalt: Bekannt geworden ist die Lasange mit Pferdefleisch geworden, weniger bekannt aber nicht weniger interessant war der Schweineanteil in der IKEA-Elchlasagne im April 2013 (3). Im März wurde Gammelfleisch in Würsten gefunden (4). Ganz aktuell berichtet heute das Gammelblatt Focus von einem Schmierenskandal in Bad Bentheim: Hier wurde wohl bereits „verdorbenes, ja schon grünes Fleisch“ (5) zu Wurst verarbeitet.

Kaum noch jemand wundert sich über solche Nachrichten und so stellt sich auch kaum noch die Frage: Warum gibt es eigentlich dermaßen viele Lebensmittel, die scheinbar gar nicht dazu taugen gegessen zu werden? Die naheliegende Antwort, dass sie überhaupt nicht für den Verzehr produziert werden sondern für den Geldbeutel der Warenbesitzer ist weder im Focus noch im Spiegel zu finden – dafür allerlei Schelte gegen die Konsumenten dieser unappetitlichen bis krankmachenden Produkte. Diese seien ja mehr oder weniger selber Schuld, da man für wenig Geld eben nur billige Ware bekomme: was scheinbar mit giftig bis widerlich gleichzusetzen ist.

Nicht nur, dass niemand in diesen Verhältnissen die Produktion bestimmt und daher so ganz genau weiß was er da eigentlich isst – ab und an wird auch mal entdeckt, dass ein Yuppi-Bio-Ei nicht ganz gehalten hat was es verspricht (6) – es gehört auch eine ordentliche Portion Zynismus dazu, gerade jenen ihre schlechte Wahl vorzuhalten, die so Haushalten müssen mit ihrem Lohn, dass die Wahl auf das Aldisteak oder den Kaufland-Käse fällt und nicht auf die Gourmettafeln, die Reichlich gedeckt sind mit dem guten dieser Erde – für jene, mit einem Geldbeutel der reichlich gefüllt ist.

Warum es selbstverständlich sein soll, dass wer von seinem Lohn nicht nur Essen und Wohnen, sondern vielleicht auch ins Kino gehen will, deshalb auf minderwertiges Essen zurückfallen muss kann man auch nur hinnehmen, wenn man bereits Unterschrieben hat, dass es eben nicht genugt für alle gibt – die dreiste Lüge der BWL, welche die Grundlage ist für ihre ganze Ideologie von „Leistung“ und „Lohngerechtigkeit“. Diese Logik von Mangel und Verzicht einmal akzeptiert, sehen die Menschen dann eben eher den Feind im eigenen Kühlschrank und predigen bewussten Konsum, anstatt sich gegen Verhältnisse zu stellen, in welchen es Normal ist auf der einen Seite Essen zu haben, und auf der anderen Seite eine eigene Abteilung Billigfraß für Studentinnen und Hartzer.

(1) http://www.dmk.de/fileadmin/redaktion/presse/pressemitteilungen/2013/20131106_DMK_Kundeninformation_final.pdf
(2) http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/listerien-in-reibekaese-molkerei-ruft-200-gramm-verpackungen-zurueck-a-932192.html
(3) http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/ikea-stoppt-verkauf-von-elchlasagne-nach-schweinefleisch-fund-a-892870.html
(4) http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/polen-gammelfleisch-in-wuersten-entdeckt-a-887787.html
(5) http://m.focus.de/gesundheit/news/der-naechste-gammelfleisch-skandal-wurstfabrik-arbeiter-packen-aus-fleisch-war-gruen_aid_1149955.html?fbc=fb-fanpage-politik&utm_content=1383731613696142
(6) http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/aigner-fordert-bio-eier-betrug-a-885377.html



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