#49 Zum Ende I

„Auf der eigenen wie auf den Seiten anderer members werden also laufend Mitteilungen gepinnt, Meinungen und Standpunkte gepostet, Bildchen hochgeladen und die community zu Kommentaren zu all dem aufgefordert. Auf den Inhalt des Mitgeteilten kommt es dabei nicht weiter an. Das sieht man daran, dass eines so wichtig ist wie das andere, eben als: Ich habe das gesagt. Die Nichtigkeiten des eigenen Alltags haben da genau den gleichen Stellenwert wie weltbewegende Ereignisse“ [Versus #40]

Facebook als Agitationsfläche ist Propaganda zwischen Katzenbildern. Zwischen Tofschnitzel wiener Art und einem Zitat von Adorno, dass dermaßen zusammengeschnitten wurde und entkontextualisiert, dass es plötzlich Prima zu Antikommunismus taugt: „Für das Allerwichtigste gegenüber der Gefahr einer Wiederholung halte ich, der blinden Vormacht aller Kollektive entgegenzuarbeiten“; Also raus aus der Politgruppe und rein in die individuelle Freiheit der World of Warcraft Generation.

Agitation in Facebook ist Selbstdarstellung. Wo manche um sich ein Profil zu geben den Harten makieren und sich einen Character im Sportstudio schaffen, taugt auch das wohlgewählte Benjaminzitat nicht nur zur Kritik an den bestehenden Verhältnissen; der Adorno auf dem Badetuch im Schwimmbad wird nicht nur gelesen, er wird auch gesehen: Von anderen. Der Hauch des Linksintellektuellen hat noch nicht allen Glanz verloren und taugt allemal für Mittelklasseromanzen in einer beschädigten Welt.

Zu klären ist:
– Welche Themen müssen gewählt werden, damit in der notwendigen Kürze eines FB-Posts mehr als nur „Meinung“ transportiert wird?
– Werden Reihen von Artikeln die sich aufeinander beziehen überhaupt kontinuierlich verfolgt?



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