#48 Freizeitkommunisten; eine Charakterstudie

Die gemeine Freizeitkommunistin weigert sich in festen Struktur zu arbeiten. Das eigene Interesse an langfristiger politischer Aktivität wird mit verschiedenen Mitteln der kritischen Psychoanalyse weganalysiert und als falscher Weg hin zur Entfremdung von den eigenen Bedürfnissen gebrandmarkt.

Falls die eigene Therapie noch nicht abgeschlossen ist kommt der gemeine Freizeitkommunist mindestens eine halbe Stunde zu spät zum Plenum. Unterordnung unter das Kollektiv findet sich schon bei Adorno als Anfang vom Übel, und so wird die Individualität schon in der Uhrzeit des Erscheinens ausgedrückt.

Bei Adorno hat die Freizeitkommunistin auch gelernt, dass man sich von allen Projekten zu distanzieren hat, die im hier und heute irgendetwas machen, dass nach Aktivismus riecht. Egal ob Hippikommune, Kleinstgewerkschaft oder Antifa-Aktion: Der Freizeitkommunist weiß sich zu distanzieren und hat gelernt: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“

Richtig krachen lässt es der Freizeitkommunist dann in der Uni – er trifft sich mit seinen linken Professoren und lästert über das mangelnde Verstädnis seiner Kommilitonen. Stichwort: notwendig falsches Bewusstsein. Der Doktor wird angestrebt, aber natürlich nicht aufgrund der Karriere.

Auf jeder Party kennt der Freizeitkommunist eine lustige Geschichte aus seiner Antifazeit. Natürlich habe man diese pupertäre Phase längst überwunden und müsse sich nicht mehr auf der Straße mit der Staatsmacht messen – aber zwischen all der kritischen Kritik erhofft man doch, der Gegenüber erblickt an einem noch ein wenig des rauhen Straßenkämpfercharmes; die Attitüde des bösen Mädchens oder besonders: des bösen Jungen.

Irgendwann hat man sein Steckenpferd als Freizeitkommunist, dass wichtiger ist als es all diese Aktivisten es je verstehen werden. Egal ob die Verfolgung von Sinti und Roma im Spätmittelalter, Auschwitz oder der Wert des Wertes: Das ganze Weltbild oszilliert um diese eine Sache, die für sich genommen eigentlich viel zu wichtig ist um sie den Freizeitkommunisten für ihre Profilierung zu überlassen.



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