#47 Tu quoque, mi fili Brute?

Wer sich enttäuscht oder gar verraten gibt, sagt damit einiges aus über seinen Bezug zu eben jenen, von denen er sich verraten glaubt. „Wer hat uns verraten?“ setzt immer vorraus, dass einmal etwas erhofft war. Wer sich also desillusioniert gibt von der Regierung, zeigt zugleich das die Illusion in die Regierung als solche noch immer Quicklebendig ist.

Wer sich von den Verhältnissen keinen Begriff machen will, verharrt in der Begriffslosigkeit. Aus jeder Beschädigung wird böse Tat und jeder Widerspruch wird Gotteslästerung. Wo die antagonistischen Interessen nicht erkannt werden, wird die Welt zu einem mystischen Ort voller Gefahren und böser Kreaturen. Quod erat demonstrandum; lupus est homo homini, non homo, quom qualis sit non novit.

Bewiesen ist natürlich gar nichts, außer das der Mensch dem Menschen ein Wolf sein kann, aber eben nicht muss. Auch hier zeigt sich wieder die Enttäuschung der Menschen, die so gerne an „das Gute im Menschen“ geglaubt hätten anstatt etwas zu verstehen, und jetzt, genauso naiv wie zuvor, überall nur noch Wölfe zu erblicken glauben.

Klug wäre es wohl einzig, sich aller Täuschung zu erwehren um nicht ständig enttäuscht zu werden. Die Illusionslosigkeit ist keineswegs ein bitterer Zustand in welchem sich nicht leben lässt; die Illusionslosigkeit ist der erste Schritt in eine Welt, in welcher wir die Illusion nicht mehr brauchen.



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