#8 Staat und Terror: Wie passt das zusammen?

Der Spiegel kämpft mit Widersprüchen: „Die IS-Kämpfer, ihre brutalen Feldzüge und grauenhaften Propagandavideos sind ein Aspekt der Organisation, über den viel berichtet wird. Doch gleichzeitig funktioniert der IS in den eroberten Gebieten wie ein Staat.“ (1)

Gleichzeitig Terror und Staat? Geht das überhaupt? Der Spiegel hätte weniger zu grübeln wenn er die Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft zu rate ziehen würde: Für Thomas Hobbes war der ‚terror of legal punishment‘ eine notwendige Voraussetzung eines Staatswesens, Robespierre hat den Terror als staatliches Machtmittel selbst ausgerufen.

Es sind eben nicht „brutale Feldzüge“ und „grauenhafte Propagandavideos“ und dann „doch gleichzeitig“ ein Staat: sondern grauenhaft und brutal für den eigenen, islamischen Staat! Denn Herrschaft braucht immer den ‚terror of legal punishment‘ – und ohne Nato gibt es eben keine Flächenbombardements, sondern Köpfungen.

(1)http://www.spiegel.de/politik/ausland/islamischer-staat-so-regiert-der-is-in-irak-und-syrien-a-1015672.html


#7 Helden

So mancher Held stellte sich schnell als Rindvieh heraus, heute aber ist das Rindvieh der Held: „Wir verneigen uns vor dem Held der Freiheit. Mögen ihm viele weitere Rinder in den Aufstand der Geknechteten folgen.“ (1)

Ein Rind erschlägt den Bauern, Begriffs- und Argumentlos: „Der 61jährige Landwirt wollte eine Schiebetür im Stall reparieren“ (1). Und weil die politischen Veganer sich moralisch im Recht wissen, ist dann auch jede Gemeinheit noch legitim gegen die Unmoral: „Ein dreijähriger Bulle hat nahe Köln seinen Sklavenhalter angegriffen und tödlich verletzt.“

Das ist nicht repräsentativ für den politischen Veganismus, aber es ist konsequent zuende gedacht, was auch bei so manch anderer Spielart des Veganismus durchscheint: Die moralische Legitimation der eigenen Praxis als Übergang zur legitimen Gewalt gegen die „Sklavenhalter“.

(1) http://www.viva-vegan.info/home/glossen-und-kommentare/stier-t%C3%B6tet-kidnapper-ein-nachruf/


#6 Heimatgefühl II

„Einmal machen wir es richtig. Wenigstes dieses eine Mal. Zwar entdecken in Politik und Medien die sogenannten Eliten gerade ihre stillen Sympathien für Pegida und Konsorten. Aber die Zivilgesellschaft wehrt sich. Wenn die Islamfeinde auf die Straße gehen, tritt ihnen häufig die Übermacht der Anständigen entgegen. Deutschland will mit diesen rechten Spinnern nichts zu tun haben. Ein Glück! Und endlich mal ein Grund für Stolz auf dieses Land!“

Die einen sind so stolz, das sie keine Ausländer wollen, die anderen sind stolz, das die meisten doch Ausländer wollen. Wie man es dreht und wendet: Am Ende ist Deutschland der Sieger. Es ist zum verzweifeln…

Zitat aus http://www.spiegel.de/politik/deutschland/s-p-o-n-im-zweifel-links-einmal-stolz-deutscher-zu-sein-a-1014339.html


#5 Heimatgefühl

Heimatgefühlt ist
wenn die Angst kommt
Weil Deutschland die höchste Zuwanderung seit 20 Jahren hat
und die Angst kommt
vor den Reaktionen des Mobs

Siehe: http://www.stern.de/politik/deutschland/migrationsbericht-aus-deutschland-hoechste-zuwanderung-seit-20-jahren-2167776.html


#4 Devote Lebenshaltung

„Was darf der Mensch“ fragen sich die Tierfreunde von „Unstumm Film“.

„Darf er einer Kuh die Milch nehmen, die eigentlich ihrem Kalb gehört?
Darf er das Kalb trennen von seiner Mutter?
Mit welchem Recht?“

Ganz Prinzipiell wird unterstellt und durchgeführt, dass für alles was getan wird eine höhere Instanz erlauben muss. Tierleid ist hier nicht das Produkt von herrschaftlicher Gewalt, sondern ausgerechnet mangelnder Respekt vor höheren Geboten.

„Darf er Tiere mästen?

Töten um sie zu essen,
um ihre Haut zu tragen?
Mit welchem Recht?“

Natürlich darf er, es ist in jedem Gesetzbuch nachzulesen. Gegen die Brutalität des bürgerlichen Rechts fällt „Unstumm“ allerdings nur eines ein: Ein noch höheres Recht, dem sich der Mensch zu beugen hätte.

Eine andere Gesellschaft ist mit einer so devoten Lebenshaltung nicht zu machen.

Bezieht sich auf:


#3 Linke Verantwortung für den zivilisatorischen Fortschritt

Wenn in der jungle World „militärische Maßnahmen gegen die totalitäre Ideologie des Islamismus“ (1) gefordert werden, dann geht es zumeist um die Verteidigung der Freiheit und des Fortschritts: „Es sind diese Freiheiten, die uns unterscheiden, abheben von den düsteren Winkeln der Welt.“ Nein, das ist kein Zitat aus der jungle World, sondern ein Kommentar von Kai Diekmann in der BILD (2).

Diese Rechtfertigung des Krieges ist über 100 Jahre alt und bei Linken seit 1914 beliebt und die Opfer in den dunklen Winkeln austauschbar. Der damalige nahe Osten war Russland, die ungebildeten russischen Bauern welche unter der Knute der adeligen Großgrundbesitzer ächzten waren die heutigen muslimischen Frauen. Die SPD wusste schon damals: „In einem potenziellen Krieg mit dem autokratischen Russland ging es in dieser Perspektive immer auch um einen Kampf für die Bewahrung jenes kulturellen und zivilisatorischen Fortschritts, auf dessen Seite sich nicht nur die SPD selbst verortete, sondern den sie trotz aller Kritik auch den westeuropäischen Staaten und Gesellschaften zugutehielt“ (3).

(1) http://jungle-world.com/jungleblog/3078/
(2) http://www.bild.de/news/standards/kai-diekmann/der-preis-der-freiheit-39239260.bild.html
(3) Henke-Bockschatz 2014: Der Erste Weltkrieg: 178f


#2 Solidarität!

#2 – Solidarität!

Elsässer schrieb zu dem Attentat in Paris: „Wer jetzt noch gegen PEGIDA demonstriert, spuckt auf die Gräber der Toten in Paris.“ Jutta Ditfurth wusst da sofort: „Schneller sind tote Menschen vielleicht noch nie missbraucht worden“ (1), „Wie funktioniert ein Kampf um Meinungsfreiheit, wenn die ja verschiedenen Meinungen nicht geäußert werden dürfen? Sich der Schweigevorschrift zu unterwerfen wird sich eines Tages rächen. Jede/r soll trauern und Solidarität demonstrieren, wie er und sie will.“ (1)

In der jungle World gibt es ein Bedauern anderer Art: „Warum aber geht kein Aufschrei durch die Welt, sich endlich mit allen zur Verfügung stehend Mitteln von persönlicher Ächtung über das Strafrecht bis zu möglichen Boykotten oder militärischen Maßnahmen gegen die totalitäre Ideologie des Islamismus zu stellen, egal wo auf der Welt?“ Denn die jungle World weiß: „Das wäre tatsächlich Solidarität mit den Opfern“ (2)

So weiß jeder, wie wirkliche Solidarität mit den Toten auszusehen hätte: Die Unterstützung des Volksmobs in Deutschland, die Meinungsfreiheit verteidigen oder Araber bombadieren.

Solidarität ist die gegenseitige Unterstützung im Bewusstsein der gemeinsamen Ziele. Welche Ziele haben Tote?

(1) FB von Jutta Ditfurth
(2) http://jungle-world.com/jungleblog/3078/


#1 Karl Kraus, der erste Weltkrieg und die Demonstrationen gegen Pegida

#1 – Karl Kraus, der erste Weltkrieg und die Demonstrationen gegen Pegida

Bei Karl Kraus findet sich eine schöne Stelle, bei welcher sich ein Volksmob zum Beginn des ersten Weltkrieges zusammen findet. Diese skandieren „Jeder Stoß ein Franzos“ und „jeder Schuss ein Russ“ und lesen dann in der Zeitung…

„Fünfter:
Oba oba oba wos treibst denn, habts denn net in der Zeitung g’lesen, schauts her, da stehts >>Derartige Ausschreitungen des Patriotismus können in keener Weisee geduldeet werden und sind überdies geeigneet, den Fremdenverkehr zu schädigeen<<, Wo soll sich denn da nacher ein Fremdenverkehr entwickeln, wo denn, no olstern!" [Die letzten Tage der Menschheit, Seite 74] Diese Zeitung, welche die Patrioten daran erinnert, dass ein Übermaß ihrer Vaterlandsliebe unangebracht, weil kontraproduktiv ist, gibt es noch heute: In Form der Demonstrationen der grünen und roten Herrschaften, welche ihr Volk daran erinnern, das Deutschland 'offen' zu sein hat und Pegida 'nicht mehr auf dem Boden der FdGO steht. Man sollte nicht vergessen, dass es diese Zeitung war, welche das Volk gleichzeitig mobilisierte für den ersten Weltkrieg.