#18 – Regenbogenprofilbilder

Jetzt erfreuen sich die Homos gönnerhafter Freude und Solidarität von allen Seiten, das Profilbild von so manchem toleranten Zeitgenossen hat sich die letzten Tage in einen Regebogen verwandelt. Und zwar deshalb, weil eines der größten Gewaltmonopole der Welt höchstrichterlich beschlossen hat, dass auch Männchen mit Männchen und Weibchen mit Weibchen rechtlich verbunden werden können und damit lebenslang für einander haften dürfen – in völliger Übereinstimmung mit der Verfassung des Landes.

Geändert hat sich nichts daran, dass der Staat darüber entscheidet, was sich gehört in Sachen Liebesdingen und was nicht, und dass bei dieser Bewertung nur seine Kriterien zu gelten haben. Die Instanz, die per Gesetz darüber entscheidet, was als Privatsache erlaubt und was verboten ist und deshalb öffentlich geächtet wird – dazu gehörten noch vor kurzem schwule Aktivitäten und die Schwulen selbst – , hat das Potenzial der Homos erkannt, ebenfalls als ‚Keimzelle des Staates‘ dienen zu können. Glückwunsch!


#17 politische Schönheit

Heute ist auf dem FB Account des „Zentrums für politische Schönheit“ zu lesen:

„Soeben hat sich Bundespräsident Joachim Gauck für die Beerdigung morgen fest angekündigt! Ein begnadeter Akt politischer Schönheit.“

Wenn die Herrschenden an die Gräber der Toten ihrer eigenen Politik treten um ihre Trauer zu zeigen, dann wird klar, was das für ein begnadeter Akt ist: Der Politik, also der Herrschaft über Menschen, die Schönheit zu geben, ihre eigenen Opfer beweinen zu können. Eine Übung, für die der Pfaffe sicher die besten Worte findet, und bei der eines sicher ist:

Die deutsche Politik wird gestärkt, weil mit Schönheit verziert, aus ihr hervorgehen. Die nächste Flüchtlingswelle indes kann sich freuen, jetzt gibt es die neue Alternative zum Massengrab im Mittelmeer: Die persönliche Beerdigung vom Bundespfaffen vor dem Kanzleramt. Hoffentlich wissen die Flüchtlinge diese Ehre überhaupt zu schätzen.


#16 Die „Vermeidung künftiger Flüchtlingskatastrophen“

Weil es außer Frage steht, dass die ökonomische und politische Situation in Syrien, Eritrea, im Libanon oder Ghana für Europa der Aufruf sein könnte, ganz grundlegend eine andere Politik zu betreiben. Weil die elenden Zustände, in denen die Menschen dort leben müssen, das Resultat sind erstens: des Zugriffs kapitalistischer Multis auf die Ressourcen der Welt und zweitens: der Antiterror- und sonstigen Kriege, die zur Durchsetzung und Aufrechterhaltung dieses Zugriffs geführt werden. Weil auf dem Erfolg dieses Zugriff auf die Welt, Macht und Reichtum der Weltwirtschaftsnationen beruhen. Weil es deshalb nicht auf deren Agenda steht, Zustände einzurichten, vor denen niemand fliehen muss, und weil ebenso wenig beabsichtigt ist, die Flüchtenden dort, wohin sie flüchten, aufzunehmen, – werden jetzt härtere Geschütze gegen die Mittel der Flucht aufgefahren:

„Bundesinnenminister Thomas de Maizière brachte die Überlegung an, die waghalsige Reise der Flüchtlinge über das offene Meer könne auch dadurch unterbunden werden, dass die von Schleusern beschafften Boote noch vor der Abreise an der afrikanischen Küste zerstört würden. Dies könne jedoch nur durch eine ‚robuste‘ Aktion geschehen, äußerte der Innenminister.“

Auch so geht die „Vermeidung künftiger Flüchtlingskatastrophen“: durch Austrocknung einer Branche, die Fluchthilfe als Geschäftsfeld für sich entdeckt hat. Weil für Europa die Katastrophe nicht im wortreich beklagten Leid der Flüchtenden besteht, sondern in deren Versuch, seine Grenze zu überwinden, werden seltsame weltpolizeiliche Robustheiten ins Auge gefasst: Im Vorfeld schon die Boote an Nordafrikas Küsten prophylaktisch versenken, dann kann sie kein Schleuser mehr beschaffen und kein Flüchtling mehr besteigen.

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/was-koennte-die-marine-gegen-schlepper-leisten-13551132.html


#15 – Beispielhafte Freunde

Am Mittwoch 22.4.15 war Australiens Außenministerin auf Staatsbesuch in Berlin. Ihrem Kollegen Steinmeier und seinen Kabinettskollegen brachte sie die Empfehlung mit, in Sachen Flüchtlinge doch das australische Modell zu übernehmen. Das wird seit zwei Jahren dort praktiziert. „Im letzten Jahr sind noch 1200 Flüchtlinge in unseren Hoheitsgewässern ertrunken. Dieses Jahr keiner mehr.

Zu dem „Modell“ gibt es „Abschreckungsvideos“ in vielen asiatischen Sprachen – Titel: „No Way: You Will Not Make Australia Home“ – in dem ein Marinegeneral erklärt: „Wenn sie in einem Boot ohne Visum in Australien einreisen wollen, werden sie hier nie ankommen! Ausnahmen gibt es nicht!“

Die Flüchtlingsschiffe und Boote werden weit vor der Küste von Küstenwache und Marine einfach wieder ins offene Meer abgedrängt, was dort mit ihnen passiert, ist den Australiern egal – lebend oder auch tot kommt so jedenfalls keiner mehr in Australien an. Leichen vor der Küste gibt es dann nicht mehr und weiter weg sucht und findet sie ja keiner.

Die wenigen, die doch irgendwie die australische Küste erreichen, werden sofort in KZs nach Nauru oder Papua-Neuguinea verfrachtet. Die dort herrschenden Lebensumstände bezeichnen UNO-Organisationen als „Folter“.

Die deutsch-australische Freundschaft hat, wie man sieht, ihr festes Fundament in der großartigen westlichen Wertegemeinschaft.


#14 Das wahre Opfer

In Tröglitz brennt ein Flüchtlingsheim und sofort wird gewarnt: Steinmeier „fürchte um das Ansehen des Landes“. Das wahre Opfer der Brandanschläge ist damit ausgemacht: Der gute Ruf der BRD steht auf dem Spiel! Zum Glück stehen die Initiativen „Deutschland bleibt Bunt“ und andere alternative Freunde einer toleranten Heimat schon in den Startlöchern um den Ruf des Vaterlandes zu retten. Dann werden die bösen Patrioten die Zündeln gleich wieder zur ‚Schande für Deutschland‘ erklärt und wir können uns beruhigt zurücklehnen:

S o ein Deutschland will niemand, wo die Stiefelfaschisten und nicht die Regierung bestimmt, welche Flüchtlinge zu sterben haben.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/steinmeier-nennt-fall-troeglitz-schande-fuer-deutschland-a-1028145.html


#13 Ein dunkler Tag

Wenn ein Flugzeug abstürzt, dann könnte man glaube, es sei ein schlechter Tag für die Passagiere. Die Lufthansa belehrt uns: „If our fears are confirmed, this is a dark day for Lufthansa.“ Und nicht zu vergessen: Auch die Aktionäre sollen geweint haben.

Der Tweet der Lufthansa ist auf twitter.com/lufthansa zu finden


#12 Grubenunglück

Das Wort „Grubenunglück“ klingt nach Pech, nach schicksalhafter Wendung zum Niedergang und damit nach einem festen Bestandteil des Lebens: Unglück in der Liebe kennen wir alle, unglücklich ist man allemal. Wo jetzt allerdings 33 Bergarbeitern in Donezk gestorben sind, und in den vergangenen 16 Jahren im gleichen Bergwerg über 200 starben, verdeckt der Begriff die eigentliche Ursache für das sterben:

Der „sehr lockerer Umgang mit den Sicherheitsvorschriften“ sowie überhaupt das Nutzen einer Mine mit „immer wieder auftretende überhöhte Konzentrationen des hoch brennbaren Gases Methan“ hat seinen Grund in dem Zweck der Mine: Nicht möglichst sicher und angenehm, sondern lohnend muss das Unternehmen sein. Es war kein „Grubenunglück“ – nicht in der unberechenbarkeit menschlicher Existenz sondern in der berechnung des Kapitals ist die Ursache dieser Toten zu suchen.

http://taz.de/Grubenunglueck-in-der-Ukraine/!155892/


#11 Gewalt ist immer dabei

Da war er ehrlich der Professor und Extremismusexperte Klaus Schroeder: „Jenseits des staatlichen Gewaltmonopols muss aus Sicht einer zivilen Gesellschaft Gewalt als politisches Mittel abgelehnt werden.“

Abgelehnt werden muss aus Sicht einer zivilen Gesellschaft also nur die Gewalt der anderen – die eigene Gewalt ist notwendiges politisches Mittel.

Darin unterscheidet sich die Demokratie übrigens von keiner anderen modernen Staatsform: Auch der Islamismus und der Faschismus lassen nur ihre eigene Gewalt gelten.

http://www.sueddeutsche.de/politik/extremismus-es-gibt-ein-grosses-unbehagen-an-der-demokratie-1.2365993


#10 Materialismus ist nicht genug?

Schmierzettel #10 – Materialismus ist nicht genug?

„Bei materiellen Bedürfnissen, da finde ich es nicht legitim zu einer Gesellschaftskritik überzugehen. Wenn es einem nur darum geht, eine größere Wohnung zu haben, oder ein schickeres Auto. Da finde ich es soviel sinnvoller, in diesen Verhältnissen zu schauen wie man klarkommt.“ (1)

Während die radikale Linke es „nicht legitim“ findet, nur für materielles eine andere Gesellschaft anzustreben, sind in der BRD, einem der reichsten Länder der Welt, im Jahr 2015 284.000 Menschen wohnungslos. Materialismus ist nicht genug und der Einsatz für die Menschheit notwendig?

Einer der erfolgreichsten Ehrentitel, in dessen Namen so gut wie alles verbrochen und verhindert werden darf, ist „die Menschheit“. Nein, Marxisten haben mit diesem Subjekt, das durch die Geschichte von Druck und Papier geistert, nichts im Sinn. Es existiert nämlich nur in der Einbildung, dieses kollektive Subjekt mit lauter gemeinsamen hehren Anliegen, und zwar deswegen, weil es lange vor seiner philosophischen Aufbereitung zur Berufungsinstanz taugt, die moralisch gebildete Zeitgenossen des Kapitals immer brauchen.

Im Namen der Menschheit stellen die einen Atomwaffen auf — und in demselben Namen warnen andere vor dem Kältetod. Letztere schätzen ihre Glaubwürdigkeit als Kritiker höher als die Anstrengung, einen effektiven Widerstand auf die Beine zu stellen. Die Glaubwürdigkeit beweisen sie durch eine Abstraktion, die es in sich hat: Die politischen und ökonomischen Gegensätze, die ihre schöne Welt bevölkern, sind vergessen. Der Glaube, die Einbeziehung aller in die eigenen Sorgen würde einem Einwand die Wirkung verleihen, die ihm sonst abgeht, ist offensichtlich.

So richtig glaubwürdig wird die Berufung auf die Menschheit immer nur bei Leuten, die durch ihr Amt befugt sind, Moral zu verabreichen und auf die Erfüllung ihrer Rechte zu dringen. Wenn sie den sozialen Frieden und den Frieden überhaupt für unabdingbar und den Klassenkampf für überholt erklären, wissen sie sehr wohl, daß das Verbot, Gegensätze auszutragen, ihre Manier der Durchsetzung ist! Und ihnen steht es auch gut zu Gesicht, ihre Gegner zu Feinden der Menschheit zu stempeln. So etwas haben Marxisten nicht nötig. Ihnen genügt das bißchen Wissen darüber, wer was wie auf wessen Kosten anrichtet, vollauf.

Die praktischen Konsequenzen betreffen dann auch einmal jene Sorte „Menschheit“, die beim freien Wirtschaften so merkwürdig konsequent zu kurz kommt, weil sie fremdem Reichtum dient.

Uns geht es darum, daß sich ein gewisser Teil der „Menschheit“ nicht mehr gefallen läßt, sich für ein illusionäres gemeinsames Interesse verheizen zu lassen. Dafür ist deren Materialismus allemal genug.

Zahl der Wohnungslosen: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zahl-der-wohnungslosen-ist-in-deutschland-drastisch-gestiegen-a-914380.html#spRedirectedFrom=www&referrrer=http://m.facebook.com

(1) http://audioarchiv.k23.in/Referate/Falken_Erfurt/Kritik_des_GegenStandpunkts_02_Diskussion.mp3


#9 Der Papst und die Würde des Kindes

„Einmal habe ich einen Vater bei einem Treffen mit Ehepaaren sagen hören: ‚Ich muss manchmal meine Kinder ein bisschen schlagen, aber nie ins Gesicht, um sie nicht zu demütigen.“ so beginnt der Papst seine kleine Geschichte: „Wie schön“, so Franziskus weiter. „Er weiß um den Sinn der Würde. Er muss sie bestrafen, aber er tut es gerecht und geht dann weiter.“ (1)

Statt sich empört zu geben könnte die bürgerliche Öffentlichkeit von diesem Papst etwas lernen über den Gehalt jener Würde, die hier Grundgesetzlich gesichert wird. Die Anerkennung, dass jeder Bürger einen Willen hat, ist eben etwas ganz anderes, als den Inhalt des Willens zu würdigen. Deswegen kann der Papst auch Würde und Gewalt gegen Kinder so gut zusammen bekommen wie das Grundgesetz die Würde und das Gefängnis:

„Franziskus habe nicht zu Gewalt oder Grausamkeit gegenüber Kindern aufgerufen, sondern darüber gesprochen, beim „Wachsen und Reifen“ eines Kindes zu helfen.“ (1) – so wie der bürgerliche Staat nicht zur Gewalt gegen die Bürger aufruft, sondern zur Sicherung ihrer Freiheit gegen die Verbrecher. Und so bleibt auch die Würde gewahrt: Der Mensch als „Zweck an sich“ darf nie nur „Mittel zum Zweck“ sein: Und deshalb dürfen nach dem Papst Kinder gezüchtigt werden, sollange es ihnen beim „Wachsen und Reifen“ hilft.

http://www.keinort.de/

(1) http://derstandard.at/2000011358548/Papst-Franziskus-Schlagen-von-Kindern-in-Ordnung